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Interview mit Andreas Von Lipinski von Wolfen

Ein Interview von T.Roxx vom 25.11.2019 (563 mal gelesen)
Nach vielen Jahren habe ich den Andreas von WOLFEN wiedergetroffen und spontan gefragt, ob er Lust auf ein Interview für unser illustres Magazin hat. Spontan hat er zugesagt und so unterhielten wir uns über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von WOLFEN und das Musikbusiness.

Grüß dich, Andreas! Das erste Mal, als ich mit WOLFEN in Berührung gekommen bin, war vor mehr als 20 Jahren - damals waren wir noch gemeinsam im legendären Rockpalast in Remagen feiernd unterwegs und ich war mal bei euch im Proberaum zu Gast. Seitdem habt ihr insgesamt vier Demos und sechs komplette Alben veröffentlicht und seid zu einem festen Bestandteil der deutschen Metal-Szene geworden. Wenn du zurückblickst, was waren bisher für dich die größten Momente in deiner Musikkarriere, auf die du besonders stolz bist?

Andreas Von Lipinski: Hi Torsten! Puh, das ist 'ne Frage, die sicherlich Bücher füllen könnte! Der ganz große Wurf ist uns ja immer verwehrt geblieben, was aber sicherlich daran lag, dass wir uns nie angebiedert haben bei Labels und Konzertveranstaltern - so ist es auch heute immer noch. Wir gehen nicht auf Festivals und lassen uns mit Veranstaltern volllaufen, um dann Gigs klarzumachen. Für uns war immer nur das Musizieren wichtig - im Proberaum, im Studio und auf Gigs. Auch wenn uns dadurch weniger Türen geöffnet wurden, so konnten wir doch immer alles selber bestimmen und waren nie abhängig von jemanden. Große Momente gab es viele - wie unser Gig im Londoner Marquee Club -, aber auch die ganzen Supportgigs für so viele bekannte Bands wie GRAVE DIGGER, KREATOR, IN FLAMES, ANNIHILATOR, TOKYO BLADE, ICED EARTH, ROSE TATTOO, AVENGED SEVENFOLD, SLAYER und zig andere. Mein persönliches Highlight war natürlich als Opener für IRON MAIDEN 2008 in Spanien zu spielen.

Wenn du das Musikbusiness heute mit den Anfangstagen von WOLFEN vergleichst: Wie sehr hat sich das Arbeiten als Musiker verändert?

Andreas Von Lipinski: Na ja, für WOLFEN als Band eigentlich nicht so sehr; wir sind tatsächlich noch eine richtige Band, die im Proberaum steht und Songs schreibt, und nicht irgendwelche Files hin- und herschickt. Auch wenn es das heutzutage bei den ganzen Retorteninstagrambands oder diesen ganzen Bands, die nur aus bezahlten Musikern bestehen, kaum noch gibt. Ich finde das sind wir der Metalmusik schuldig, eine richtige Band zu sein. Natürlich läuft vermarktungstechnisch heute alles anders - ohne Instagram oder Facebook biste aufgeschmissen, Tonträger kauft eh kaum noch einer, wobei ich Streamingdienste trotzdem für wichtig halte - damit haben die Fans die Möglichkeit tatsächlich in eine Vielzahl von Bands reinzuhören. Der Nachteil der heutzutage einfachen Angelegenheit ist, alles für wenig Geld aufzunehmen und digital alles so zurechtzuschneiden, dass es gut klingt ist, dass jeder Hinz und Kunz was veröffentlicht und nur die sozialen Medien bestimmen, was erfolgreich ist. Wenn du die Bands dann live hörst, fällt einem dann oft das Essen aus dem Gesicht. Wir haben doch Musik mit Attitude gemacht, weil wir auf Metal stehen und selber daran teilhaben wollten - vielen Bands heute geht es nicht mehr um die Musik; sie wollen nur Geld machen oder ihr Gesicht auf Instagram abfeiern.

Euer aktuelles Album "The Rise Of The Lycans" ist jetzt seit etwas über einem Jahr erhältlich. Bist du immer noch mit dem Album zufrieden oder würdest du rückblickend das ein oder andere ändern wollen?

Andreas Von Lipinski: Ich bin immer noch voll zufrieden, auch wenn man am Anfang eines neuen Outputs immer der Meinung "Das ist das Beste, was wir je gemacht haben" ist, vertrete ich diese Meinung immer noch auch nach 1,5 Jahren. Ich würde nichts ändern; so wie es ist, ist es perfekt.

Wie ist das Album entstanden und wie kann man sich generell den Songwriting-Prozess im Hause WOLFEN vorstellen?

Andreas Von Lipinski: Wie schon erwähnt, treffen wir uns im Proberaum. Frank, Andi oder meinereiner haben eine Songidee und an der arbeiten wir so lange, bis es passt - natürlich schicken wir uns die Proberaumfiles dann zu, um mit etwas Abstand nochmal drüberzuhören und Dinge oder Abläufe zu ändern. Auch stilistisch lassen wir uns nicht beeinflussen - es muß geradeheraus sein und Spaß machen; zu viel konstruieren schadet der Energie der Songs. Natürlich könnten wir auch progressivere, vertrackte Songs machen, aber warum? Ha, ha.

Der Titel des Albums ist identisch mit dem Titel eines Filmes aus der "Underworld"-Reihe. Zufall oder Absicht?

Andreas Von Lipinski: Es lag nahe, bei unserem Bandnamen etwas mit Lykanern zu machen, was mir auch durch die Underworld-Filme bekannt war. Und "Rise Of The Wolfs" oder sowas klang irgendwie langweilig. "Rise Of The Lycans" klang großartig! Alle in der Band haben dafür gestimmt. Was wir aber tatsächlich nicht gewusst haben, ist, dass einer der Underworld-Filme im Englischen genauso heißt. Da aber Cover und alles schon im Druck war, haben wir es dabei belassen.

Wovon handeln die Songs auf "Rise Of The Lycans" - gibt es ein festes lyrisches Konzept, dem die Songs zugrunde liegen?

Andreas Von Lipinski: Tatsächlich war die erste Idee, ein Konzeptalbum über eine utopische Science Fiction-Story - basierend auf dem aktuellen Weltgeschehen - zu machen. Aber nach einiger Zeit wurde schnell klar, dass diese Geschichte minimum drei Doppelalben füllen würde. Aus diesem Grund haben diese Idee verworfen. Übrig geblieben sind vier Songs, die aneinandergereiht tatsächlich die Story anreißen: 'Genetic Sleeper', 'Rebirth Of The Regulators', 'Science & Religion' und 'New World Order'. Unter dem Rest der Songs befindet sich ein typischer WOLFEN-Song - nämlich der Titelsong, der eine Weiterführung von alten Songs ist - und ein mystery-supernatural-Dämonensong: 'Succubus'. Na ja und die restlichen Songs behandeln mein Lieblingsthema Religionen und Alltagsgeschichten.

Woraus beziehst du die Inspirationen für deine Texte?

Andreas Von Lipinski: Manchmal durch Dokus im Fernsehen oder den Nachrichten oder auch durch Alltagssituationen. Sehr oft aber auch durch Wörter oder Redensarten. Neulich habe ich einen Ausdruck für die Handy-Generation gehört, da diese oft Nackenprobleme hat - aufgrund des ständigen Runterguckens auf ihr Smartphone. Das nennt man "Generation Head Down" - na, wenn das kein geiler Songtitel ist!

Auf 'Timekeeper' wirkt Chris Boltendahl von GRAVE DIGGER als Gast mit. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Andreas Von Lipinski: Das ist relativ einfach erklärt Chris und ich sind schon seit fast 15 Jahren gut befreundet, er wohnt auch hier in Köln, und ich habe auf den letzten drei GD-Scheiben die Background-Vocals gesungen. Da war es nur eine Frage der Zeit, dass er sich mal revanchiert.

Wie schwer ist es, Proben, Aufnahme-Session und Live-Aktivitäten mit deinem normalen Job und deiner Familie unter einen Hut zu bekommen?

Andreas Von Lipinski: Och, das ist halb so wild; wenn man so lange musiziert wie wir, braucht man nicht mehr so viel zu proben, es sei denn man schreibt neue Songs. Bei Liveaktivitäten ist es schon schwieriger, da wir ja alle Jobs und Familien haben.

Wie eben schon erwähnt - in Deutschland sind WOLFEN schon längst eine beständige Größe. Wie läuft es im Ausland für euch?

Andreas Von Lipinski: Interessanterweise bekommen wir außerhalb Deutschlands die meisten Klicks aus den Staaten, was natürlich auch daran liegt, dass unser Label Pure Steel Records dort eine Größe in Sachen Metal ist. Reaktionen bekommen wir aber schon weltweit, nur wie gesagt: Touren ist teuer und kostet Zeit; wir sind halt alle keine 20 mehr.

Ich weiß, dass du - genau wie ich - ein Fan von Vinyl bist. Wie wichtig ist für eine Band wie WOLFEN der Verkauf von digitaler Musik, sei es MP3 oder Streaming?

Andreas Von Lipinski: Also der Verkauf von MP3's oder Streamings lässt jeden Musiker verhungern und kleine Bands werden vielleicht kein Geld mehr haben oder Lust dazu haben, es in neue Produktionen zu stecken. Aber man kann sich der Evolution des technischen Fortschritt nicht entziehen. Grundsätzlich sind Streamingdienste ja auch hilfreich für eine Band. Das Eigentliche ist: Für die heutige Generation von Fans ist es nicht wichtig, Musik zu besitzen - für diese Kids von heute ist es nur noch wichtig, Musik zu konsumieren; die Ganzheit eines Produktes - in unserem Fall eines Album - als Gesamtwerk zu sehen inklusive Coverartwork und Ähnliches, geht dabei leider verloren. Ich denke, es wird in naher Zukunft auch keine CDs mehr geben; die Leute werden auf den Gigs USB-Sticks kaufen oder die Puristen halt Vinyl und vereinzelt CDs, die die Bands selber vermarkten.

Sind für nächstes Jahr weitere Tour-Aktivitäten und Festival-Auftritte geplant?

Andreas Von Lipinski: Touraktivitäten sind schwierig, da durch die Flut von Bands die Clubgigs immer mäßiger besucht sind. Und mit einer bekannten Band zu touren, um dann 30 Minuten den Openerkasper zu machen, ist auch eher kontraproduktiv. Heute werden Bands nur noch gebucht, wenn man absehen kann, wie viele Besucher sie ziehen, Qualität zählt da nicht - was natürlich auch nachvollziehbar ist. Wir haben "Rise Of The Lycans" mit circa 17 Gigs betourt; im nächsten Jahr ist das Ziel, auch wieder zehn Gigs zu spielen - einige Gigs und Festivals stehen schon.

Hast du einige "letzte Worte" für deine Fans?

Andreas Von Lipinski: Die letzten Worte, ha ha. Wir sind froh, dass wir immer noch live spielen können und wir haben noch nie eine Location hinterlassen, die wir nicht abgerissen haben. Wir können unseren Fans nicht genug danken, für die Unterstützung und die Möglichkeit, Alben aufzunehmen und live spielen zu dürfen.

Vielen Dank für das Interview!

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