Letzte Reviews





Festival Previews
Deaf Forever Birthday Bash

Festival Reviews 2019
A Sinister Purpose 2019

Hell Over Hammaburg 2019

Interview mit Dieter von Pyracanda

Ein Interview von Opa Steve vom 26.07.2019 (789 mal gelesen)
Um das Jahr 1990 kam man in der Koblenzer Metalszene nicht um PYRACANDA herum. Und auch bundesweit erspielte sich das Energiebündel einen Ruf als tighte Speed/Thrash-Band mit originellem Songwriting. Als Sven Fischer dann bei RAGE anheuerte, löste sich die Band auf. 2019 ist das Jahr der Rückkehr. Wir sprachen mit Bassist Dieter Wittbecker über die Re-Releases und die Reunion.

imgright

Hi Dieter! Vor fast zehn Jahren war ich bei eurem einmaligen Jubiläumsgig in Originalbesetzung im Koblenzer "Dreams", viele Jahre nach eurem Split. Als Leute aus dem Publikum nach "Reunion!" riefen, gab es von Hansi noch eine klare Absage. Jetzt wurden eure CDs nochmal aufgelegt und ihr habt alle mit einer tatsächlichen Reunion überrascht. Was war der Auslöser, wie kam es zu dieser Entscheidung?

Dieter: Stefan, erst mal danke für die Einladung zu diesem Interview. Bleeding4Metal fand ich schon immer sehr cool. Es fing damit an, dass die beiden Alben fett remastert und auf diesen ganzen Streaming-Dingern den Fans zugänglich gemacht wurden. Spotify, Deezer, Amazon und Apple Music - genau, so heißen die. Das kam verglichen mit unserer Erwartungshaltung überraschend gut an. Es kamen Nachrichten von den Fans, Anfragen nach Merchandise und so. Irgendwann kam Ralf Hubert vom MEKONG DELTA, der damals die "Thorns" auf Aaarrg Records gemacht hatte, auf uns zu und fragte, ob er dieses Album noch mal in Russland auf den Markt bringen darf. "Klar - warum nicht. Mach mal!" haben wir gesagt, uns aber trotzdem gewundert, was jetzt da auf einmal abgeht. Und dann kam Matt von Divebomb Records, USA, und wollte die "Two Sides Of A Coin" richtig fett aufmöbeln und weltweit neu auflegen. Hat er dann auch. Wir haben ihn mit den remasterten Tracks, zusätzlichen Bonustracks und unveröffentlichten Fotos und so versorgt und das Ergebnis kennst du ja - ein Klopper ist das geworden. Ja - und das Ding geht wie warme Semmeln und da haben wir uns gefragt: "... wollen wir nicht noch mal diese Band live für alle spielen lassen?" - "Ja - wollen wir."

Wird es jetzt auf unbestimmte Zeit weitergehen, oder ist dies nochmal ein vorübergehendes "Projekt"?

Dieter: Ein Ende ist nicht geplant. Wir proben für Shows in 2020 und das macht riesig Spaß. Du weißt ja, dass Spaß bei PYRACANDA ganz vorne steht. Wir wollen Spaß haben und die Leute haben den eh. Sonst würden wir das nicht machen. Das war schon immer so bei uns.

Elmar und Sven sind ja nicht mehr dabei. Stattdessen ergänzen euch die CALIBAN-Jungs Patrick und Denis. Patrick hatte ja schon in Nachfolgebands von PYRACANDA gespielt - war das der Grund, ihn als Ersatz für Elmar in die Band zu holen?

Dieter: Das ist nah dran, aber nicht ganz richtig. Patrick hat lange bei PYRACANDA gespielt. Als Elmar damals aufhörte, hat er die Stöcke an den damals 17-jährigen Patrick Grün übergeben. Übrigens: Die beiden verstehen sich super. Wir treffen uns ja mit der ganzen PYRACANDA-Familie öfter zum lustigen Bierchenzählen in unserer Lieblingsstadt Koblenz. Das bedeutet, dass Patrick am Schlagzeug natürlich gesetzt war. Klar.

Ich gehe dennoch davon aus, dass Sven und Elmar von euch auch kontaktiert wurden - haben sie sich aus dem aktiven Musikerleben zurückgezogen, oder standen sonstige individuelle Entscheidungen dagegen?

Dieter: Das sind unterschiedliche Gründe. Bei Elmar war es ja fast schon klar. Er hat die Band ja bereits 1992 verlassen und an Patrick übergeben. Und seine Gründe von damals sind auch seine Gründe heute. Sven ist musikalisch sehr aktiv und hat einfach zu viele Projekte parallel laufen. Da war für PYRACANDA kein Platz mehr. Das war schade, aber mit Denis Schmidt von CALIBAN haben wir einen Granaten-Gitarristen und einen neuen Freund dazu bekommen. Er passt super zu PYRACANDA. Musikalisch perfekt und menschlich genau so positiv bekloppt wie wir.

Wie liefen so die letzten 20 Jahre bei euch - hattet ihr nach dem Split noch viel Kontakt untereinander, oder hatte man sich aus den Augen verloren und musste sich erst nochmal wiederfinden?

Dieter: Wie gesagt, wir waren immer Freunde und wir treffen uns öfter. Das wäre auch total schade, wenn das nicht so wäre. Denn - mal vom musikalischen Fit ganz abgesehen - sind das alles tolle Menschen mit dem Herz am richtigen Fleck. Leute, die uns kennen, werden dies bestätigen. Das ist ja keiner von diesen komischen Casting-Acts. Die Band entstand damals aus dem Freundes- und Bekanntenkreis und hat sich dann zu dem entwickelt, was sie damals war und jetzt wieder sein wird. Wir waren in diesem Sinne auch alle sehr froh, als Patrick mit seinem Bandkumpel Denis kam. Familie halt.

Gab es aus der Altbesetzung welche, die erst mal ihr Instrument entstauben und fleißig üben mussten, oder waren alle privat weiter aktiv?

Dieter: (Lacht) Gute Frage, aber eigentlich nicht. Jeder von uns hat irgendwie weiter Musik gemacht - in den unterschiedlichsten Formen. Aber ich gebe zu, dass ich von einem meiner Bässe erst noch das Gaffa vom Anniversary-Gig 2010 runterkratzen musste. Die Songs sitzen in uns allen drin und warten. Und beim Proben kommen sie aus dem Inneren hervorgekrochen und sind wieder da. Der erste Song war wie immer 'Top Gun' - und der fluppte auf Anhieb recht gut. Sagen jedenfalls die Leute, die das Video der ersten Probe gesehen haben.

Was ist das für ein Gefühl, wenn die CDs wieder rauskommen und ihr merkt, dass die Fans eure "Jugendzeiten" nicht vergessen haben?

Dieter: Das ist eine vielschichtige Erfahrung. Auf der einen Seite freust du dich wie Bolle, auf der anderen Seite denkst du darüber nach, wie so etwas sein kann. Es gibt doch so viele gute Bands. Und wir dachten auch ein wenig darüber nach, ob PYRACANDA überhaupt noch in die heutige Zeit passen. Doch dann bekommst du auf einmal Nachrichten von überall auf der Welt. Klar, von den alten Fans, aber auch von jungen Fans, die damals definitiv noch viel zu klein waren. Wir haben uns über alle gefreut. Die alten Fans, die sich an uns erinnern, die dir im Supermarkt entgegenkommen, grinsen und "Top Gun" sagen und natürlich über die neuen, die unsere Mucke von sonst woher kennen und drauf abfahren. Ja - das ist schon ein schönes Gefühl.

Wie organisiert ihr die Band räumlich und zeitlich? Jeder von euch wird ja seinen familiären und beruflichen Weg gegangen sein, man lebt vielleicht in größeren Entfernungen. Patrick hat es mit CALIBAN als Profi-Unternehmer ja auch schon ins IHK-Journal geschafft. Wieviel Zeit investiert ihr in die Band, und wo wird eure Homebase sein?

Dieter: (Lacht) Ja, das IHK-Journal. Was für eine geile Idee, Patrick als Unternehmer zu interviewen. Hast du das gelesen?

Jepp, hab ich alle paar Wochen durch mein Nebengewerbe zwangsweise im Briefkasten und musste echt schmunzeln.

Dieter: Wie geil! Vorab: Unsere Homebase ist Crablouse City Koblenz. Das geht auch gar nicht anders. Organisatorisch haben wir einen guten Modus gefunden. Das war auch wichtig. Denn unser Proberaum ist zwar in Neuwied bei Koblenz, aber die Bandmitglieder wohnen mittlerweile im ganzen Bundesgebiet. Von Bendorf bei Koblenz, bis Ingolstadt in Bayern, Mainz, Essen, Hunsrück. Und damit man uns nicht den "Global Warming Preis 2020" verleiht, proben wir immer in Doppelschichten. Das bedeutet zwei Tage in Folge. Das macht für uns am meisten Sinn.

Wie waren denn die Reaktionen von Freunden und Familie, die eure PYRACANDA-Zeiten vielleicht nur vom Hörensagen kennen?

Dieter: Mann Stefan, du hast echt gute Fragen ausgeheckt. Die meisten Freunde und Familienmitglieder, die das seinerzeit nicht miterlebt haben, haben es 2010 auf dem Anniversary-Gig erlebt. Viele fragten bereits damals, warum wir das nicht weiter machen und waren nach dem, was in den letzten Monaten passiert ist, nicht sonderlich überrascht. Im Gegenteil. Jeder in unserem Umfeld kennt unsere Liebe zur Musik und weiß, dass es PYRACANDA gibt. Das gehört halt zu jedem von uns PYRACANDA-Typen wie ein eigenes Körperteil.

Die alten und neuen Fans kann man auf Dauer sicherlich nicht nur durch Re-Releases und ein paar Gigs zufriedenstellen. Wie ist denn der Zeitplan für neues Material?

Dieter: Neues Material kann man nicht planen. Jedenfalls nicht, wenn es von Herzen kommen soll. Das entsteht. Ich bin mir sicher, dass zum Beispiel Dennis irgendwann vor uns steht und sagen wird: "Ey, ihr Eiermänner, macht mal!". Und dann wird er eins seiner Bomben-Riffs rauskloppen und es entsteht was. Aber das können und möchten wir nicht pushen. Das kommt, und wenn es so weit ist, werdet ihr das Material hören.

Haben sich eure musikalischen Interessen in den letzten 25 Jahren gewandelt, oder kann man weiterhin mit melodischem High-Energy Thrash rechnen?

Dieter: PYRACANDA bleiben PYRACANDA. Da kommt an Zutaten nichts anderes rein. Reinheitsgebot. Natürlich entwickelt man sich musikalisch weiter und jeder von uns hört bestimmt auch mal was anderes als Metal. Gerade in der heutigen Zeit ist die Auswahl ja grenzenlos. Doch unser Herz ist Metal und für PYRACANDA Speed-/Trash Metal.

Und natürlich muss man die Frage stellen: Habt ihr schon Pläne, mal wieder ein paar Bühnen mehr zu bespielen, und gibt es schon Ideen, wo die Feuertaufe sein wird?

Dieter: Gigs sind ab Anfang 2020 geplant. Wir werden den ersten Gig, das offizielle Reunion-Konzert, natürlich zu Hause im Raum Koblenz spielen. Die finale Entscheidung bezüglich der Location steht bis August. Darauf werden weitere Konzerte folgen. Wir bevorzugen hierfür Festivals. Wir werden nicht zu viele spielen. Nur ausgesuchte Festivals und so viele, dass jeder, der uns hören möchte, die Gelegeheit dazu bekommt. Aktuell sind wir diesbezüglich in Gesprächen mit Booking-Agenturen. Das sollen in Zukunft Profis für uns machen.

Dieter, vielen Dank für die Zeit. Ich find's klasse, dass euch nochmal die Lust gepackt hat. Traditionell darf mein Interviewpartner zum Schluss noch alles an unsere Leser loswerden, was ihm auf dem Herzen liegt. Also hau rein:

Dieter: Ich möchte an dieser Stelle vor allem meinen Hamster Kunibert grüßen, der all meine Spotify-Proben zu Hause mitbekommt und trotzdem noch Futter zu sich nimmt ... Stop! kommt bloß nicht auf die Idee, jetzt auf Facebook oder Instadingsda nach süßen Fotos von Kunibert zu fragen - den habe ich gerade erfunden! Also: Danke für das Interview, danke für die mega Resonanz auf unsere Reunion. Wir freuen uns schon wie doof, für euch spielen zu dürfen. Besucht uns auf den üblichen sozialen Netzwerkdingern, und falls ihr unsere Scheiben nicht haben solltet, müsst ihr das keinem verraten, sondern hört uns einfach geremastert auf den Streaming-Dingern im Netz. Spotify, Deezer, Amazon und Apple Music. Und bis dahin: "Let's make an expedition into the animal kingdom. Good evening ..."

imgcenter

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten



Interviews

26.07.2019 von Opa Steve

Album des Augenblicks
Volltextsuche
Schaut mal!