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Take off: 29.07.2010 - Review (6806 mal gelesen)

Rockarea Festival 2010, Loreley Freilichtbühne

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Intro

Zum zweiten Mal fand das Rock-Area-Festival nun auf der Loreley statt, nachdem es vom Saarland auf das wohl schönste Open-Air-Gelände Deutschlands gewechselt war. Nach dem schon gelungenen Einstand mit ein paar kleineren Problemchen 2009 konnte man nun hoffen, dass sich die Erfahrung im zweiten Jahr in Perfektion niederschlagen würde. Allerdings hinterließ die Präsentation der Festival-Homepage schon in den letzten Wochen vor dem Event einen etwas vagen Eindruck - dies betraf nicht nur die etwas geringen Presseinformationen, sondern auch die Festivalbesucher (oder solche, die es werden wollten) litten unter der im Vergleich zu anderen Veranstaltungen sehr vagen Befriedigung von Informationsbedürfnissen. Dies war vor allem auf die recht oberflächlich gepflegte Homepage zurückzuführen, die relativ unstrukturiert nicht nur die Suche nach Inhalten zum Ratespiel werden ließ, sondern auch widersprüchliche und falsche Informationen bot. Man konnte zwar im Forum (für welches man sich zwangsweise im Social Network "wer-kennt-wen.de" registrieren muss) Fragen stellen, aber so richtig geholfen wurde einem selbst in den letzten Tagen nicht. So kam es dann in den letzten Tagen zu völliger Verwirrung über die donnerstäglichen Anreisezeiten, die nicht nur in den News und in den Festivalinfos widersprüchlich angegeben waren, sondern zu allem Überfluss das Festival-ABC noch alle Daten von 2009 drin hatte.

Kurzum: die Orga machte nicht den Eindruck einer straffen Struktur - aber wir sind ja erwachsene Menschen, und so entschieden wir uns für eine Zeit "irgendwo in der goldenen Mitte". Mangels Urlaub verpassten wir so leider die Warm-Up-Party am Mittwoch abend, wo es für die früh angereisten auf der neuen Party-Bühne schon mal ordentlich was auf die Ohren gab. Viele schienen das Angebot auch wahrgenommen zu haben, denn bei unserer Anreise sah der Campground schon gut ausgelastet aus. Moment - Campground? Da standen bei genauem Hinsehen keine Zelte wie letztes Jahr, sondern die Autos. Die Zelte erspähten wir daraufhin im Hang auf einer Mini-Wiese. Mit locker 10% Gefälle. Später klärte sich auf, dass für das am Folgetag des Festivals stattfindende PUR-Konzert genügend Parkflächen zur Verfügung gestellt werden mussten, und deswegen die Rock-Area-Besucher auf beengtem Raum untergebracht wurden. Nun denn, angesichts der wenigen freien Flächen hätten wir uns doch besser für die frühstmögliche Anreisezeit entschieden.... aber noch standen wir ja mit leeren Händen da. Also erst mal an der Presse-Info anmelden. Gesagt, getan, fortgeschickt. "Ihr seid zu früh - wir sind erst ab 18 Uhr besetzt.". Hä? Aber du stehst doch gerad.... naja egal. Also Kehrtwende, und Zeltplatz suchen. Der Camping-Mann war zwar etwas verwundert ("Zelten Presse und Händler nicht woanders?"), aber hey!, was wissen wir denn schon, wenn man uns nichts sagt.... Also verbrachten wir die Zeit mit der einzig sinnvollen Beschäftigung auf Festivals, bevor die erste Band spielt: Kram aufbauen (von der Schlepperei bis auf den Hang hab ich jetzt noch Muskelkater, von der im Festival-ABC versprochenen Entladezone keine Spur- es sollte noch mehr Abweichungen vom versprochenen Plan geben, aber dazu mehr im folgenden Bericht), Grill anwerfen, Bier trinken.

So sorgten wir dafür, dass wir zu den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS, die dann pünktlich um 18:30 das Festival einläuteten, schon mal genügenden Spaß- und Alkoholpegel hatten, um die niedersächsischen Chaoten in der korrekten Laune zu begrüßen.

Bands

Donnerstag

EXCREMENTORY GRINDFUCKERS

Bereits zum zweiten Mal eröffneten die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS das Rock Area Festival auf dem Loreley-Felsen und betraten pünktlich um halb sieben die Bühne. Sänger H!M fiel mal gleich durch seinen hautengen Leoparden Anzug auf und machte allein schon dadurch deutlich, dass die Hannoveraner mit ihrem Schlager-Pop-Grindcore viel gute Laune verbreiten wollen. Und das schafften sie auch: sowohl der Fünfer selbst, als auch das Publikum hatten viel Spaß. Und so formierten die Leute die bereits im letztem Jahr bewährte Polonaise. Neben Alltime Hits wie 'Staatsgrind Nr. 1' wurde auch das neue Album "Headliner der Herzen" vorgestellt und daraus u. a. 'Schnick Schnack Schnuck' oder das von vielen Kehlen mitgegröhlte 'Theo, wir fahrn in Puff' präsentiert. Man sagt ja aller guten Dinge sind drei: also mal schauen, ob wir die GRINDFUCKERS auch im nächsten Jahr als Opener erleben dürfen.
[Krümel]

AXXIS

AXXIS fiel es anschließend schwer, den Stimmungspegel zu halten. Während die Instrumentalkapelle soliden Metal in die Arena pumpte und nichts anbrennen ließ, wirkte Frontmann Bernhard ein bisschen wie ein gescheiterter Alleinunterhalter. Zu verkrampft waren seine Ansagen, und kennt ihr das Gefühl, wenn jemand nett zu euch ist, ihr aber irgendwie den Eindruck habt, dass er das nur aus irgendeiner Pflicht heraus tut und nicht von Herzen? Genau diesen Eindruck hatte ich bei dieser Show - vielleicht ist es aber auch nur eine persönliche Art, Leidenschaft zu zeigen. Allerdings sprang auch schon eine Menge Frust rüber, als er den Titel 'Fass Mich An' mit eigenen Verflossenengeschichten würzte. Auch Balladen gab's beim Gig, so wurde z.B. der Ur-Song 'Touch The Rainbow' in der Setlist untergebracht. Und als die Band ganz unplugged auf Stühlen Platz nahm, nahm sich Frontmann Bernhard zur Percussion-Unterstützung ein wasserstoffblondes Mädel aus der ersten Reihe mit auf die Bühne, welches zwar laut eigener Auskunft das "bei MANOWAR auch schon mal gemacht" hatte, aber dafür immer noch recht schüchtern war. Es blieb ein etwas fader Beigeschmack, und während ich das Gefühl hatte, nach Power-Metal klingende Schlagerunterhaltung erlebt zu haben, brachte es ein unbekannter Festivalbesucher neben uns völlig unabhängig auf den Punkt: "Üben die für einen Mallorca-Auftritt?"...
[Opa]

Nach AXXIS meldete sich unser Magen, und da wir das restliche Programm des Abends ja auf keinen Fall verpassen wollten, schied eine weitere Grillsession natürlich aus. Also orientierten wir uns mal in der Umbaupause zu JBO zu der angekündigten "Fresszone" in den oberen Wiesen. Dort stellte sich allerdings rasch Ernüchterung ein. Von den aufgebauten Zelten und Buden entpuppte sich eine als Getränkestand, eine als Autogrammstand, und wo sich auf dem Festival-Geländeplan Bude an Bude reihen sollte, war gähnende Leere. So hatte man die Qual der Wahl, und zwar zwischen einem klassischen Imbissstand (gute Pommes, miserable Currywurst, teuer) und einem variableren Imbissstand (Gyros OK, Baguettes fantastisch, Schnitzelbrötchen trocken, Pizzazungen winzig, teuer). Und ich muss ehrlich sagen, dass ich auf einem Festival dieser Größenordnung noch kein schlechteres Essensangebot gesehen habe. Zum Glück bin ich da recht pflegeleicht und brauch einfach nur was zwischen die Kiemen, aber den Unmut der Besucher mangels vegetarischer Auswahl oder breiter geschmacklicher Fächerung kann ich voll und ganz verstehen. An dieser Stelle sei der Vollständigkeit noch erwähnt, dass auch diejenigen Besucher gekniffen waren, die auf den angekündigten Mini-Markt auf dem Gelände zur frischen Eigenversorgung vertraut hatten - auch dieser fehlte ersatzlos.....
[Opa]

JBO

Gleich zwei Gute-Laune-Bands an einem Tag? Jawoll, nach den GRINDFUCKERS zu Anfang und den manchmal wohl eher unfreiwillig komisch wirkenden AXXIS, warteten schon eine Menge mehr Leute im Amphirund auf JBO. Wer die - wie immer ganz in Rosa gekleideten und von pinkfarbenen Amps umgebenen - Franken je live gesehen hat, weiß wieviel Spaß sie verbreiten können. Und auch an diesem Abend enttäuschten Hannes, Vito, Ralph und Wolfram ihre Fans nicht. Mit ihrem Comedy Metal sorgten sie von Beginn an für beste Stimmung. Dem Publikum wurde eine Mischung aus altbekannten ('Bolle' - übrigens wurde dessen Tod aufgelöst, was aber niemand gerafft hat) und neueren Songs präsentiert. Es gab z. B. mit 'I don't like Metal - I love it' (zur Melodie von 'I don't like Reggae), 'Gimme hope Joanna' einen Reggae-Teil. Außerdem gaben JBO noch ein Medley aus 'Let it be', 'Yellow Submarine', 'Singing in the rain' und 'Dust in the wind' zum Besten. Auch RAMMSTEIN Fans kamen auf ihre Kosten mit 'Rammstein-Reggae' (zur Melodie von 'Sunshine Reggae') oder mit einer harten RAMMSTEIN-Version von 'Ein bisschen Frieden'. Aber eines der Highlights war eindeutig 'Gänseblümchen'. Auch ein weiteres Lied hinterließ bei manchem Zuschauer Spuren, weil es später auf dem Campground immer wieder angestimmt wurde: zur Melodie von 'Vamos a la Playa' sang man lauthals 'Geh mer halt zu Slayer'... Eigentlich kennt man von JBO ja bereits alles, dennoch haben sie die Fähigkeit, die Leute immer wieder mitzureißen. So muss eine gute Live Band einfach sein.
[Krümel]

DORO

Mit DORO trat dieses Jahr zum ersten mal eine Metal-Künstlerin auf die Bühne, die schon 1985 beim legendären Metal-Hammer-Open-Air dort ihre Songs zum Besten geben konnte. Damals firmierte alles noch unter dem Namen WARLOCK, und die heutige deutsche Metal-Queen war noch jung, und mit zwei Alben im Rücken reichte es gerade für's Mittagsprogramm. Heute ist DORO zwar nicht mehr so jung, dafür sieht sie aber immerhin kaum verändert aus, ist immer noch klasse bei Stimme, und hat im vergangenen Vierteljahrhundert eine Menge erreicht. Natürlich schwangen da an dieser Location sicherlich auch Nostalgiegefühle mit, und als sie das junge Publikum fragte, wer sie damals schon gesehen hatte, gingen gerade eine Handvoll Hände hoch (jaaaa, und der Schreiber dieser Zeilen zählt sich zu den Glücklichen). Für alle anderen gab's ein Oldschool-Programm, welches sich gewaschen hatte. Ihr Set war gespickt von damaligen Hits wie 'Burning The Witches', 'Metal Racer', und natürlich gab es von der besten aller WARLOCK-Scheiben ("Triumph And Agony") eine Menge Material, nämlich 'All We Are', 'Für Immer' und 'I Rule The Ruins'. Auch Ronnie James Dio wurde ein Song gewidmet, genauso wie für JUDAS PRIEST (eine etwas eigenwillige Interpretation von 'Breaking The Law') - beides Künstler, die an der Motivation und Unterstützung von Doro in der Vergangenheit maßgeblich beteiligt waren. Zwischendurch durfte noch BLAZE BAYLEY zum Duett mit DORO die Bühne betreten, aber der Knaller kam am Schluss, als sie im Zugabenblock tatsächlich 'Hellbound' rockte - keine Ahnung, seit wann dieser geile Titel wieder in ihrer Setlist steht. Ansonsten war DORO unverwüstlich wie eh und je; an ihre Ansagen und Bühnenperformance hat man sich ja schon Jahrzehnte gewöhnen können, und so wusste man schon im Vorfeld, was man zu erwarten hatte (und wurde nicht enttäuscht, denn DORO on stage ist auch anno 2010 immer noch Kult).
[Opa]

Freitag

INGRIMM

Direkt vom mittäglichen Grill-Frühstück am Zelt tauchten wir ein in die Welt von INGRIMM, die als zweite Band des zweiten Tages mit ihrem mittelalterlichen Metal aufspielten. Standesgemäß gehören daher neben Stromgitarre und -bass natürlich auch Drehleier und Sackpfeife dazu. Zunächst könnte man denken: Ach, nicht schon wieder so eine Mittelalter-Combo. Doch schnell machten INGRIMM klar, dass sie nicht so klischeebeladen wie viele ihrer Kollegen sind. Die Musik der Regensburger ist angenehm unverbraucht und teilweise auch heftiger als üblicherweise in diesem Genre. Hier und da zeigen sich sogar ein paar Pagan-Einflüsse. Die mit eingängigen Melodien und deutsche Texten versehenen Lieder konnte die zwar überschaubare, aber dafür mehr als aufmerksame, Meute vor der Bühne schnell mitsingen. Das Quintett präsentierte Songs von allen drei bisherigen Alben wie z. B. 'Der letzte Tanz', 'Das Lumpenpack', 'Das Teufelsweib' oder 'Der Rabe'. Für alle, die jemanden mit einem Fluch belegen wollen, gab es dann auch noch den passenden Titel 'Die Pest', ergänzt um die Zeile: 'wünsch ich Dir an den Hals'. Natürlich durfte auch ein obligatorisches Sauf- und Trinklied nicht fehlen und so erhoben wir symbolisch die Methörner (oder in unserem Fall die Bierbecher) zu 'Skudrinka'. Der rothaarige Fronter Fenris verbreitete während des Auftrittes eine sehr gute Stimmung und auch den anderen Vier auf der Bühne merkte man an, dass sie viel Spaß an der Sache hatten. Schade, dass INGRIMM einen solch frühen Termin hatten; ich hätte ihnen einen späteren Platz in der Running Order und damit auch mehr Zuschauer gewünscht.
[Krümel]

GAMA BOMB

GAMA BOMB wirkten auf der großen Bühne ein wenig deplaziert. Das ist eine klassische Club-Band, die man am Besten ohne Fotograben und im schwitzenden Pit genießt. Bei Sonnenschein und weitläufigem Gelände wurde zu viel Distanz zum Publikum aufgebaut, und den Jungs fehlt es noch deutlich an Erfahrung mit dem Umgang solcher Locations. So verloren sich die Jungens ein wenig unspektakulär, auch wenn der Thrash schön granatenmäßig schnell runtergezockt wurde. Die vornehmlich kuttentragende Meute wusste es in den ersten Reihen zu würdigen, aber befriedigend sind solche Bedingungen natürlich nicht, da man zu dieser frühen Stunde auch noch wenig Laufpublikum anziehen konnte, dessen Interesse man vielleicht noch wecken wollte. Dazu kamen noch einige Gitarrenprobleme, so dass Teile der ersten Songs nur mit einer Klampfe gezockt werden mussten. Eine gute Band, aber kein guter Stern auf einer solchen Veranstaltung.
[Opa]

BENEDICTION

Anders hingegen BENEDICTION, die ungeachtet der Running Order erst mal den Rockstar raushingen ließen, und Nick Barker eine gefühlte Stunde sein Drumkit persönlich einstellte. Junge, ich hab ja 'ne Menge Achtung vor dir, aber vielleicht hätte dir jemand sagen sollen, dass dies keine DIMMU BORGIR Headlinertour mehr ist! So war die Band schon beim Intro, welches mit seinen abgrundtiefen Bässen die PA an die Belastungsgrenze trieb, recht nervös, und versuchte, mit brachial runtergeholzten Titeln, von denen ja selbst schon die neueren lockere 10 Jahre auf dem Buckel haben (z.B. vom Album "Grind Bastard"), das Publikum ordentlich aufzuheizen. Dave Hunt lobte mehrmals die tolle Location und erwägte gar, dass man eigentlich hier hinziehen müsse, wenn man nicht ohnehin schon im Rheintal wohnt. Das Amphitheater hatte sich mittlerweile gut zu einem Viertel gefüllt, und die Die-Hard-Fans drängten sich vorne zum gemeinsamen Matteschütteln und bewiesen damit Dave's These, dass in Deutschland die Fahne des Oldschool-Metals immer noch hochgehalten wurde. Nick Barker untermalte das Geknarze mit seinen unnachahmlich präzisen Blastattacken, aber aufgrund seines Soundcheck-Trips musste der Set dann doch leider vorzeitig und quasi aus der nächsten Ansage heraus abgebrochen werden. Das hätte besser laufen müssen, denn BENEDICTION haben auch für Open Airs die nötige Präsenz und kamen gut an.
[Opa]

DARK TRANQUILLITY

Nach dieser britischen Härte sollte es nun etwas melodischer werden. In der Umbaupause fanden dann auch mehr Leute den Weg ins Amphirund, um wie ich gespannt auf DARK TRANQUILLITY zu warten. Pünktlich enterten die schwedischen Melodic Deather rund um Fronter Mikael Stanne die Bühne. Dieser ging gleich vom ersten Augenblick und Ton vollends in der Musik auf, verharrte keine Minute am selben Platz und zeigte sich wie immer äußerst charismatisch. Die Göteborger boten den Fans eine sehr schöne Auswahl an sowohl älteren als auch neuen Songs. Man konnte zu 'Final Resistance' ( vom 2002er Album "Damage Done") ebenso mitsingen, wie zu 'Misery's Crown' ("Focus Shift" 2007) oder den aktuellen Sachen 'The Grandest Accusation' und 'Dream Oblivion'. Natürlich durfte auch einer meiner Lieblingssongs 'My Negation' nicht fehlen. Diese gelungene Mischung, dargeboten mit sehr viel Spielfreude seitens der Band, sorgte dafür, dass die Menschen vor der Bühne in bester Stimmung waren und ihre Lieblinge gebührend abfeierten. Die Musiker und allen voran der nimmermüde Sänger freuten sich sichtlich über die mehr als positiven Reaktionen des Publikums. DARK TRANQUILLITY legten einen äußerst gelungenen und auch intensiven Auftritt hin, der für meinen Geschmack leider viel zu schnell vorbei war.
[Krümel]

ENSIFERUM

Nach der Pause, die einige entweder zu einer kleinen Stärkung oder zum Füllen ihrer Kehlen nutzten, erklang ein dramatisches Intro mit blauem Licht und Nebel, was trotz der Helligkeit um diese noch frühe Uhrzeit doch wirkte und die Zuschauer, die inzwischen das Rund zu 3/4 füllen, auf die folgende Show einstimmte. Dann erschien die ENSIFERUM Saitenfront auch standesgemäß kriegerisch mit Röcken und nacktem Oberkörper sowie der charakteristischen Bemalung im Gesicht. Und dann legten die Mannen los, um den Mit-Kriegern im Publikum ihren für sie charakteristischen Folk Metal um die Ohren zu hauen. Die Finnen präsentierten sich äußerst frisch, schnell und hochmotiviert. Dies wirkte sich auch auf die Reaktionen des Publikums aus; alle Stücke wie bsp.weise 'Into Battle' (vom "Iron Album"), 'Token of Time' (vom allerersten Album "Ensiferum"), 'One More Magic Potion' ("Victory Songs") oder 'Stone Cold Metal' (von "From Afar") wurden begeistert aufgenommen. Beide Seiten verausgabten sich sichtlich, doch beim Schlusssong 'Iron' gaben sowohl ENSIFERUM als auch die Meute vor der Bühne nochmal alles. Der Auftritt machte wirklich viel Spaß, und so konnten die finnischen Krieger diese Live-Schlacht eindeutig gewinnen und scheinen zumindest im Live-Sektor ihre Brüder im Geiste (FINTROLL) hinter sich zu lassen.
[Krümel]

NAPALM DEATH

Jaaaaaa, NAPALM DEATH sind immer noch ein Phänomen. Längst nicht mehr so ultrabrutal wie vor zwei Jahrzehnten, aber dafür scheint Barney Greenway im fortschreitenden Alter immer angepisster zu sein. NAPALM DEATH waren schon lange eine politische Band, aber während sich Barney noch vor einigen Jahren als praktizierender Christ outete, ist heutzutage davon nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil: Religionen reihen sich nahtlos zwischen Politik und Wirtschaft in seine Anklagen und Beschimpfungen, und an seiner Wade trägt er ein entsprechendes Tattoo zur Schau. Da scheint jemand konsequent an der Sinnlosigkeit von Macht und deren Missbrauch zu verzweifeln und schreit dies während der Livegigs wie eine Katharsis vom Leib, während er irre über die Bühne zappelt. Dabei natürlich die unvermeidlichen Prügelnummern der "Scum"-Ära, die das Publikum doch gewaltig vor den Kopf stießen - ist doch dieses Material nicht unbedingt als "eingängig" zu bezeichnen. Ebensowenig durfte das DEAD KENNEDYS Cover 'Nazi Punks Fuck Off' fehlen, welches vom Publikum dankbar in lautstarke Sprechchöre umgewandelt wurde. Vor einigen Jahren machte man sich noch Gedanken, wie lange Shane Embury noch seine Mähne haben würde, aber sein Haarausfall scheint irgendwie schon länger zu stagnieren - die blanke Platte sieht beim Bangen zwar urkkomisch aus, aber wie er es (er)trägt hat schon wieder Stil. NAPALM DEATH sind trotz ihrer Unangepasstheit eine angenehme Band ohne Allüren, die trotz ihres Status immer noch genau das macht, was sie zur Gründungszeit machte. Wünschenswert wäre nur noch, dass Barney seinen unglaublich fiesen Slang ablegen würde, denn er nimmt sich die Zeit, etwas abseits seiner Ansagen zu erzählen, und dann wäre es schön, wenn man ihn auch im Ausland verstehen konnte. So verhallte sein philosophischer Exkurs, warum Nachdenken die Quelle der Freiheit wäre, leider bei den meisten Zuschauern im tumben Standardgegröhle, welches er sich auch leicht mit einem simplen "Cheers!" hätte verdienen können....
[Opa]

SODOM

SODOM sind eigentlich längst eine Macht - woran liegt es dann, dass sie kein volles Haus ziehen können? Es kamen zwar mehr Besucher als zu NAPALM DEATH, aber ich hätte mit ihrem Status und ihrer Position im Billing eigentlich mit mehr gerechnet. Vielleicht spielen sie auch mittlerweile zu oft, und auch hat man viele alten Songs schon genauso oft live gehört. Tom und seine Mitstreiter gaben aber dennoch Vollgas, und selbst die alten Kalauer wie 'Aber Bitte Mit Sahne', der 'Wachturm', 'Stumme Ursel' (mit - surprise! - Gummipuppe im Publikum), 'Ausgebombt', 'Blasphemer', 'Agent Orange' oder 'Bombenhagel' machen auch zum gefühlten 7432ten Mal Spaß. Frischer kamen dennoch Titel wie 'M16' rüber, und vielleicht sollte sich das Trio aus dem Pott wirklich mal langsam eine Frischzellenkur mit weniger Evergreens angehen. Denn wären Toms Ansagen noch genauso wörtlich berechnend wie die eines Mille, dann wären sie vollends in der KREATOR-Live-Falle gelandet, und das wäre schade. Am Rande machte Tom dann noch eine beachtenswerte Durchsage zur kürzlich vorher passierten Loveparade-Tragödie in Duisburg. Ohne jede Spur von Spott über die Metal-ferne Raverszene drückte er Mitgefühl für die dort passierte Scheiße aus und warnte gleichzeitig davor, anstelle einer lückenlosen Aufklärung einfach in den typisch deutschen Aktionismus zu verfallen, nämlich bei Problemen eben die Ursachen (hier musikalische Großveranstaltungen, die es schließlich auch im Metal gibt) schlicht und einfach zu verbieten. Womit er nicht ganz Unrecht hat, denn die Gefahr besteht tatsächlich, denn selbst so Hysterienummern wie die Schweinegrippe kratzten 2009 an der Festivalsaison....
[Opa]

APOCALYPTICA

Mit großer Spannung erwarteten ich und das restliche Publikum des wirklich vollen Amphirunds während der sehr langen Umbaupause die letzte Band dieses Tages. Als APOCALYPTICA schließlich die alterwürdige Loreley-Bühne betraten, wurden sie mit großem Jubel begrüßt. Zunächst hatte es ja ein wenig verwundert, dass man nur zwei Stühle auf die Bühne stellte. Doch die agilen Musiker machten schnell klar: man brauchte die Sitzgelegenheiten eigentlich kaum, denn sie spielten kaum im Sitzen, sondern sie fetzten mit ihren Instrumenten wie wild über die Bühne. So agil die Finnen während des Spiels sind, so typisch zurückhaltend und kurz angebunden war der Fronter zwischendurch bei seinen Ansagen. Da wurde kein unnötiges Wort verschwendet. Aber so sind sie nun mal. Leider gab es zu Anfang des Auftritts ein paar technische Probleme. Bei dem METALLICA Hit 'One' fiel die linke PA teilweise über einige Minuten komplett aus. Trotzdem tat das der guten Stimmung keinen Abbruch und nachdem der Rundum-Sound wieder hergestellt war, konnten wir alle die mit einer wahnsinnigen Präzision dargebotenen Stücke wie 'Grace', 'Master of Puppets', 'Betrayal' (mit Dauerpropellerbanging während des Spielens!), 'Last Hope' oder 'Seek and Destroy' genießen. APOCALYPTICA präsentierten aber auch Stücke der Ende August erscheinenden neuen Scheibe "7th Symphony" 'I'm not Jesus' oder 'End of Line', bei denen dann auch Sänger Gavin Rossdales die Vocals beisteuerte. Für die Schmusefraktion wurde dann noch zu einer wahnsinnig beeindruckenden Lightshow (die natürlich während der ganzen Show super war) die geniale Ballade 'Bittersweet' dargeboten. Die Zeit verging leider wie im Flug und viel zu schnell mussten die Finnen die Bühne verlassen. Aber nur, um für die Zugabe 'Enter Sandman' nochmal alles zu geben, was sie zu bieten hatten. Die Menschen dankten es ihnen mit frenetischem Jubel. Ich hatte APOCALYPTICA bisher leider noch nie live gesehen. Vor allem das Stageacting der Cellisten war atemberaubend. Es ist einfach wahnsinnig, wie die drei herumlaufen, bangen und dazu auch noch fehlerfrei die riesigen Celli spielen können, die sie teilweise über den Köpfen hielten. Ein mehr als gelungener Auftritt- für mich persönlich eindeutig die beste Band des diesjährigen ROCK AREA Festivals.
[Krümel]

Samstag

MEGAERA

MEGAERA (nicht zu verwechseln mit den süddeutschen Namensvettern mit Sängerin) fungierten als Opener des letzten Festivaltages. Zur frühen Mittagsstunde boten die Jungs mit Songs wie z. B. 'Unleash Hell' bestes Frühstücksgeknüppel - sprich Oldschool Death Metal, der als Wecker für die müden Seelen, die sich eingefunden hatten, ganz praktisch war. Danach freute man sich doch auf sein Grillsteak am Zelt und das erste Bierchen.
[Krümel]

DESASTER

Wann immer die Koblenzer DESASTER in der Region spielen, darf natürlich die mit angereiste Unterstützung nicht fehlen. Aber nicht nur die Hellbangers Moselfranken wollten ihre Lieblinge unterstützen, sondern auch weitere Metalfans warteten gespannt auf die Black-Thrasher. Und so ließ sich der Vierer nicht lange bitten, trat pünktlichst vor die musikhungrige Meute und präsentierte ihnen eine wirklich gelungene Auswahl aus dem reichhaltig vorhandenem Material der letzten 20 Jahre. Die Leute gingen gut mit und feierten Songs wie 'Teutonic Steel', 'Metalized Blood' (spätestens dabei verlor ich meine Stimme...) und 'Countess Bathory' begeistert ab. Neben dem älteren Material wurde auch ein völlig neuer Track vorgestellt und vom Publikum mehr als wohlwollend aufgenommen. DESASTER legten sehr viel Spielfreude an den Tag. Nicht nur Gitarrist Infernal wetzte während des Auftritts unermüdlich über die Bretter, sondern auch Sänger Sataniac suchte immer wieder den direkten Kontakt zu den ersten Reihen. Dieser Auftritt hat allen Beteiligten sichtlich viel Spaß gemacht - so sehr, dass Infernal (Kuschke) überhaupt nicht mehr von der Bühne wollte. Zum Schluss kniete er mit seiner Gitarre vor den Amps und war weder durch einen Roady noch durch Drummer Tormentor, der ihm zuguterletzt Bier in den Mund goß, kaum zum Gehen zu bewegen. Doch auch die schönste Show muss ein Ende haben - was DESASTER und deren Fans aber nicht daran hinderte, danach den gelungenen Auftritt feucht-fröhlich zu begießen.


[Krümel]

HOLY MOSES

HOLY MOSES setzten dann im Anschluss direkt die German Thrash Attack fort. Auch Sabina outete sich als Besucherin des damaligen Metal Hammer Open Airs und war seinerzeit wegen VENOM dort, und aus der Besucherin von 1985 ist mittlerweile selbst eine deutsche Metal-Institution geworden. Der HOLY MOSES Set war vergleichbar mit dem der schon etwas zurückliegenden Metal Cruise auf dem Rhein, und auf der Open-Air-Bühne der Loreley kam die Band ein wenig gebremst rüber. Die Jungs und Sabina sind es offenkundig auch noch nicht gewohnt, solche Bühnen auszufüllen und den Abstand zum Publikum zu überwinden - ein Problem welches sie mit den GAMA BOMB des Vortages teilten. Sabina machte ihrem Unmut dann auch direkt Luft, als sie mal schaute, wo der Laufsteg denn endet ("Ich komm mal ganz nah, ich bin nämlich tierisch kurzsichtig - mann, das ist ja schon wie in Wacken hier...."). Sabina machte zwar auf der Bühne den Metal-Asi inkl. Bier spucken, aber man merkte ihr an, dass sie in aufgeheizten Clubs lieber zuhause ist. Das Material bestand wie gewohnt aus einer guten Historien-Breitseite (inkl. der komplexen "....Liechtenstein"-Titel wie 'Defcon 2'), 'Master Of Disaster' traf auf 'Finished With The Dogs', und Atomic Steif wirbelte souverän mit showträchtigem Becken sogar im Genick den Rhythmus zu den Stücken. Übrigens kann sein obligatorisches Stirntuch auch nicht mehr kaschieren, dass der Mann langsam in ein gesetztes Alter kommt.
[Opa]

THYRFING

Für eine "dunkle" Band ist ein Platz im Billing am hellichten Nachmittag eigentlich völlig ungeeignet. Trotzdem betraten zu einem episch-atmosphärischen Intro mit Flöten THYRFING tapfer und mit geschwärzten/verrußten Gesichtern und Körpern die Bühne. Der im Low-Tempo Bereich angesiedelte archaische Pagan Black Metal verfügt durchaus über sehr schöne Melodien, aber bei strahlendem Sonnenschein wirkte die Musik trotz aufwendigem Kunstnebel leider nicht. Die meisten Leute wollen auf einem Open Air dann doch eher abfeiern. Mir persönlich hat es zwar gut gefallen, doch einigen Zuschauern war die Atmosphäre, die die Schweden verbreiteten, zu unterkühlt. Schade, aber leider wirkte der schwedische Sechser sehr deplaziert. Ich denke kleine intensive Hallenkonzerte kämen THYRFING eher zugute.
[Krümel]

ENTOMBED

Nach THYRFING schickten sich ENTOMBED an, die Stimmung zurück in die Arena zu bringen. Mit witzigem Gospel-Country als Intro und diversen Einspielern von TV-Predigern untermalten die Schweden ihr grooviges Donnerwetter. Die Death'n'Roll-Stücke kamen allesamt schön kernig rüber, und die Jungs wirkten trotz ihres Alters sehr agil. Sie schafften es zwar nicht komplett, die durch die vorangegangene Band verursachte Lethargie (und die mittlerweile brutzelnde Sonne tat ihr Übriges dazu) wegzublasen, aber es war bester Bier- und Headbangerstoff, den eine Menge Fans im locker befüllten Amphitheater zu würdigen wussten. Mit Sicherheit wird sich der eine oder andere die Herbst-Tour nochmal geben, um ENTOMBED nochmal wiederzusehen.
[Opa]

HATRED

Während ENTOMBED noch in den letzten Zügen die Hauptbühne zerlegten, machten sich HATRED auf der zweiten kleineren Stage für ihren Rock Area Auftritt bereit. Zu den Klängen einer bekannten Fernsehserienmelodie enterten die Franken die Bretter und preschten mit ihrem Laune machenden Thrash 'n' Death los. Die versammelten Fans gingen gleich gut mit und bangten zu den präsentierten Nackenbrecher-Songs wie etwa 'United' oder 'Follow the Leader'. Sowohl die Musiker als auch die Leute hatten sichtlichen Spaß bei der Sache. Ich fand es sehr schade, dass sich HATRED nicht einem größeren Publikum im Amphirund zeigen durften. Sie hätten es (wie übrigens auch die Mehrzahl der anderen Bands, die sich mit dieser "Hilfsbühne" begnügen mussten...) verdient - denn die fränkischen Jungs hätten dort sicherlich gut abgeräumt. Immerhin hat der Fünfer im letzten Jahr den Songcontest um die ofizielle Hymne zu Jack Blacks Video-Metal-Game "Brütal Legend" gewonnen.
[Krümel]

SEPULTURA

Nach dieser reservierteren Show der Vorgänger, erwartete man von den Brasilianern SEPULTURA dann doch eine etwas heißblütigere Darbietung im Sonnenuntergang. Zu Anfang war das Amphitheater aber noch erschreckend leer. Trotzdem lieferten Fronter Derrick Green, der mittlerweile bereits seit 12 Jahren bei den Südamerikanern das Mikro schwingt und auf den ersten Blick zunächst mit seinen Rastas bis zum Hintern beeindruckte, und seine Mitstreiter den Anwesenden einige überraschende schnelle, knüppelnde Opening Tracks. Dabei gab es zunächst keinerlei Ansagen, die Songs wurden einfach nacheinander gespielt. Erst ab der Mitte des Sets, als sich auch die Zuschauerränge etwas mehr füllten, wurde der hochgewachsene Green etwas lockerer und gesprächiger und gab sogar einige Brocken Deutsch von sich. Nach den schnelleren Liedern zu Anfang wandelte sich die Auswahl zu den typischen Groove-Songs (z. B. 'Escape to the Void'). Ingesamt präsentierten sich SEPULTURA wirklich ordentlich. Eigentlich hättens sie einen späteren Platz im Zeitplan verdient.
[Krümel]

NORMAHL

In der Umbaupause zu SACRED REICH schaute ich zum ersten Mal bei der Party-Bühne vorbei, auf der gerade NORMAHL zockten. Ich kenne diese Band noch als Punk-Asis der 80er, aber was sie heute präsentieren, hat mit der Vergangenheit eigentlich nichts mehr zu tun. Es war irgendwie Fun-Punk mit Country-Einschlag, und alles wurde im Beinahe-Beamten-Look präsentiert. Vor der Bühne tummelte sich ein eher desinteressiertes Laufpublikum mit Bier in der Hand, nur wenige Alt-Punks feierten die Band auf der viel zu kleinen Schuhkarton-Bühne ab. Hmmmm....
[Opa]

SACRED REICH

Meine Meinungen zu SACRED REICH waren - zugegebenermaßen - im Vorfeld gespalten. Ich fand sie eigentlich immer etwas gehypet, und ihre alten Tonträger konnten mich nie vollends überzeugen. Und eine Band, die quasi eine Dekade von der Bildfläche verschwunden war und nie so richtigen Headliner-Status hatte, schien auf dieser Billing-Position nach SEPULTURA schon merkwürdig. Interessant, was man eigentlich (nicht) tun muss, um als "Kult" zu gelten? Doch schnell straften mich die Amis Lügen und landeten nach APOCALYPTICA die zweite positive Überraschung des diesjährigen Rock-Area-Billings. Die Bühnenpräsentation war obercool und man merkte Phil und seinen Jungs den Spass in den Backen deutlich an. Vielleicht sind an der Coolness neben genügend Alkohol auch diverse Kräuterwaren nicht ganz unbeteiligt, denn ungeachtet der wie üblich anwesenden Polizeikräfte bedankte sich Phil für die gute Gras-Versorgung durch einen Menschen vor Ort - und hielt daraufhin erst einmal einen langen Vortrag, warum man Gras nicht mit Tabak mischen sollte ("... you don't put water in your beer, so why would you put tobacco in your weed?"). Ob es der SACRED REICH Bus ohne vorangegangene Durchsuchung vom Gelände geschafft hat, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Musikalisch merkt man den Jungs schon an, dass sie ein wenig älter geworden sind, aber dafür spielten sie souverän und sehr engagiert. Das Material konzentrierte sich natürlich auf die "Surf Nicaragua"-Scheibe und "The American Way", aber es gab auch einige Titel der weniger beachteten Spätphase (z.B. 'Independent'). Der Hardcore-beeinflusste Thrash mit Titeln wie 'Who's To Blame' oder dem Nicaragua-Titelsong macht live viel mehr Spass als von CD oder LP, aber noch geiler waren die ausgewählten Coverversionen. Ihre Version von 'War Pigs' war einfach herrlich. Und im Gegensatz zu anderen Co-Headlinern durften sie sogar eine Zugabe spielen.
[Opa]

CRO-MAGS

Nach SACRED REICH erwischte ich auf der Partybühne noch ein Stückchen CRO-MAGS, bevor ich wieder vor der allabendlichen Verpflegungs-Preisfrage (Currywurst, Krösus- äh Gyros-Teller, oder doch wieder Baguette?) stand. Die CRO-MAGS hatte ich in den 90ern noch auf Clubtouren erlebt, wo sie noch ein ziemlich tightes Hardcore-Brett geboten haben. Aber auch an ihnen nagt der Zahn der Zeit - sie sind deutlich weniger aggressiv und agieren nur noch auf dem Härteniveau ihrer Scheiben - das war früher anders. Harley Flanagan machte einen beinahe ausgeglichenen Eindruck, und so gab es auch keine Keilerei mit John Joseph (der ein gutes Stück abtrainiert hat), und die Band strahlte 2010 schon eine für Hardcore beinahe störende Ruhe aus. Die CRO-MAGS sorgten aber für recht volles Haus vor der kleinen Bühne, und im Publikum pogten - ganz oldschool - ein paar Besoffene, während sich die meist Langhaarigen ein bisschen Headbanging ergaben. Das ist allerdings auch das Mindeste, was die CRO-MAGS verdient hätten. Nur sollten sie erkennen, dass die guten harten Zeiten langsam dem Ende entgegengehen.
[Opa]

ARCH ENEMY

ARCH ENEMY fand ich 2003 noch albern. 2006 fand ich sie live ganz nett. Doch ihre letzte Wintertour hatte mich schon ziemlich begeistert. Dementsprechend war ich auch gespannt, wie sie sich als Festival-Headliner präsentieren würden. Und ich wurde nicht enttäuscht. Sie boten eine recht große Produktion (auch wenn ich bis zuletzt die Hoffnung hatte, dass doch wenigstens die letzte Band mal paar Pyros mitbringen würde - nein, es war mir nicht vergönnt) mit einer aufgeräumten Bühne und großen Backdrops. Angela war brutal gut bei Stimme, und die Gigdauer war eines Headliners würdig. Vor allem die Songs der letzten beiden gelungenen Alben dominierten den Set. Es wurde auch nicht an den Sample-Einspielern gespart, so dass die Songs naturgetreu aus der glasklaren und tierisch lauten PA den Felsen zum Beben brachten. So gab es Gänsehaut-Refrains bei 'I Will Live Again' oder 'Revolution Begins' und ausgerenkte Nackenwirbel bei 'Taking Back My Soul' und 'Nemesis'. Sperrige Nummern wie 'My Apocalypse' wirkten bei dieser Show aus einem Guss fast schon wie ein Störfaktor. Bestandteil der absolut souveränen Bühnenperformance waren auch ausgedehnte Solo-Passagen. Daniel Erlandsson bot dabei ein fulminantes Drumsolo im Mike-Terrana-Stil (also Click-genau zu einem Orchestereinspieler). Dunkle Regenwolken, die von der anderen Rheinseite heranzogen, hatten gegen diesen Metal-Sturm absolut keine Chance und zerteilten sich rechtzeitig über dem Festivalgelände. Nach einem ausgedehnten Zugabenblock war dann leider doch Feierabend, und die Band bedankte sich lang zum Outro 'Enter The Machine' beim Publikum. ARCH ENEMY haben bewiesen, dass sie das Zeug zu viel mehr haben, und diese Position zu Recht bekamen. Die Truppe agierte auf einem beeindruckend hohem Niveau, und ich prognostiziere dieser Band, dass sie in spätestens 3 Jahren zu den ganz Großen des Genres gehören. Übrigens war der Rock-Area-Gig in 2010 einer von nur zwei Open-Air-Auftritten der Band. ARCH ENEMY gehen nämlich ins Studio, und nächstes Jahr können wir die Band ".... so oft live sehen, bis ihr kotzt!" (O-Ton Angela). Ich freu mich drauf!
[Opa]

Fazit

Zunächst danken wir dem Donnergott, dass er uns vor dem prognostizierten Dauerregen verschont hat. Dann danken wir der Rock-Area-Crew für 3 entspannte Tage - dies aber nicht, ohne auch noch konstruktive Kritik zu üben. Es gab zwar keine wirklichen Katastrophen, und in der Hauptsache war auch alles cool, aber das Festival machte dieses Jahr nicht den Eindruck, wirklich organisiert zu sein. Die schlechte Informationspolitik sprachen wir ja bereits in der Einleitung an, und wenn man pausenlos auf pünktliche Abreise bis 12 Uhr drängt sollte sich auch der Mann mit dem Müllpfand an den Zeitplan halten und nicht erst eine Dreiviertelstunde später als angekündigt aufkreuzen. Was aber auf keinen Fall entschuldbar ist, ist das ersatzlose Streichen von Zusagen. Nicht vorhandene Essensstände in den Geländeplan einzeichnen oder den Minimarkt einfach so platzen zu lassen steht hier ganz oben auf der Rangliste. Dagegen verkommen Dinge wie die entfallene Ausladezone am Campground zu "nur" ärgerlichen Kleinigkeiten. Ebenso halbherzig sah es in der Partyzone im Eingangsbereich aus. Der Metal-Markt hatte seinen Namen nicht verdient, und warum da ein Benson&Hedges-Stand auf einem Metal-Festival mit seiner unpassenden wie nervigen Dauerbeschallung in Konkurrenz zur Hauptbühne und zur Partybühne treten muss hat sich uns in 3 Tagen nicht erschlossen. Die Partybühne selbst haben wir mal als "Experiment" aufgefasst, welches im nächsten Jahr hoffentlich wieder ersatzlos gestrichen wird. Dass man hier BLAZE BAYLEY oder KRYPTERIA mit einer Handvoll Newcomer und paar Altpunks auf eine winzige Kirmesbühne gequetscht hat brachte das Festival keinen Tick weiter. Im Gegenteil - gerade durch den hohen Newcomeranteil im diesjährigen Billing wurde die Präsentation des Festivals nach außen deutlich verwässert und damit sicherlich für den einen oder anderen unattraktiver (auch, wenn es ja in Wirklichkeit "Mehr" statt "Weniger" gab, aber als psychologischer Aspekt muss ein Billing einfach markant rüberkommen). Gerade das entspannte Feeling 2009 wussten wir in Umbaupausen zu genießen, und wir hoffen, dass das Rock-Area nicht auf den Standard-Festivalzug aufspringen wird, auf Teufel komm raus von jedem Zaunpfahl eine Band spielen zu lassen.

Inwieweit dieses Jahr die unterschiedlichen Kompetenzen und geteilte Verantwortlichkeiten zwischen Veranstalter und lokalem Pächter zu Irritationen und Verwirrungen führten haben wir versucht, in einem Interview mit den Veranstaltern zu klären, aber leider sind diesbezügliche Bemühungen unbeantwortet geblieben. Positiv herauszuheben war 2010 auf jeden Fall die Wahl der Security. Auch nach 3 Tagen waren sie noch ruhig und freundlich, manchmal schon zu lieb, und diese ständig entspannte Stimmung trug mit zu einem gelungenen Festival und wenig Eskalation bei. Ebenfalls lohnenswert war der morgenliche Marsch zum Loreley-Besucherzentrum. Für annehmbare Preise gab's Frühstück und stationäre sanitäre Anlagen (sofern nicht gerade ein Rohr gebrochen war). Über den eigentlichen Kern des Festivals, seine grandiose Location und die hervorragende Bandauswahl für bezahlbares Geld, müssen wir sicher keine Worte extra verlieren.

Das Fuck-Off des Jahres 2010 hingegen geht an die Vollpfosten unter den Besuchern, die es nicht lassen können, auf dem Campground ihren Scheiß anzuzünden oder sonstwie für eine Riesensauerei zu sorgen. Wir wünschen euch Festival-Killern 'ne dicke Anzeige sowie Platzverweis auf Lebenszeit an den Hals. Dumme Kinder gehören auf die Spielplatz oder an den Rockzipfel!!!

Davon abgesehen war's eine feine Zeit und es wäre schön, wenn sich kleine und gemütliche Open-Airs wie das Rock-Area neben den großen Namen weiter etablieren können. Für 2011 freuen wir uns auf hoffentlich weitere entspannende Rock-Area-Tage, und getreu dem Motto "aller guten Dinge sind drei" dann mit lückenloser Organisation, ohne Partybühne, und bitte wieder Aftershowparty auf den fantastischen Rheinterrassen!

Erlebten jedes erdenkliche Wetter (mal abgesehen von Schnee): Opa & Krümel

Billing
Billing Stand 20.05.2010:

  • APOCALYPTICA
  • ARCH ENEMY
  • AGE OF EVIL
  • AXXIS
  • BENEDICTION
  • BLAZE BAYLEY
  • CAST IN SILENCE
  • CONCEPT INSOMNIA
  • CRO MAGS
  • DARK TRANQUILLITY
  • DESASTER
  • DORO
  • ENSIFERUM
  • ENTOMBED
  • EXCREMENTORY GRINDFUCKERS
  • GAMA BOMB
  • GORILLA MONSOON
  • HATRED
  • HOLY MOSES
  • ILL NINO
  • INGRIMM
  • J.B.O
  • KRYPTERIA
  • MEGAERA
  • MOB RULES
  • NAPALM DEATH
  • NORMAHL
  • SACRED REICH
  • SEPULTURA
  • SODOM
  • S.O.T.A.
  • THE HAND OF GLORY
  • THYRFING

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