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Take off: 15.06.2008 - Review (3428 mal gelesen)

Es war schon ein absoluter Bandoverkill, den das ARROWROCK FESTIVAL dieses Jahr bot. Nicht weniger als neun hochkarätige Bands stellten ein fantastisches Billing an diesem Sonntag.

Nach gut 90 Minuten Fahrt und bedeutend weniger Schlaf in der Nacht zuvor erreichte ich dann endlich Nijmwegen und nach einer kleinen Stadtrundfahrt (trotz Ausschilderung) und Auffindung eines Parkhauses ging es dann um 11 Uhr Richtung Goffertpark. Nach einem etwas lang andauernden Einlass und ersten Enttäuschungen von Seiten meiner Mitreisenden über das Bier ging es dann pünktlich um 12.45 Uhr mit REO SPEEDWAGON los. Zugegeben: Ich kannte bisher ganze zwei Songs dieser Band, aber ebenso muss ich zugestehen: Das ist sehr schade. Auch wenn oftmals sehr balladesk angehaucht boten REO eine coole Rockshow. Geiler Einstieg in den Tag und somit gut gelaunt direkt rüber zu GOTTHARD.

Auch das Schweizer Quintett, leider mit Ersatzbassmann, sah ich an diesem Sonntag zum ersten Mal, konnte mich aber durchaus davon überzeugen, dass an allen Liveübertragungen nichts geschönt war. Fronter Steve Lee weist zwar durchaus einige Affinitäten zu einem Coverdale Plagiat auf, rockt aber ordentlich und singt deutlich stärker als Ersterer es in letzter Zeit vermochte. Rockfestivalbedingt verzichteten GOTTHARD leider vollkommen auf Balladen, abgesehen vielleicht von 'Let it be', was einer geilen Show allerdings nichts abtat. Nach 'The Oscar goes to you' beendete die Band aus dem Land des EM Gastgebers dann ein umjubeltes Set und ich spurte mich zu JOURNEY zu gelangen.

Es war ja anfänglich etwas kritisch. Als großer Steve Perry Fan stand ich Arnel Pineda durchaus etwas reserviert gegenüber, aber das legte sich alsbald. JOURNEY zockten ein paar Songs von der neuen Scheibe und ansonsten ein großartiges Best of Set. Während beim Rest der Band anfangs etwas arg eine gewisse Rockstararroganz zu spüren war zündete Arnel jedoch direkt durch, hüpfte, animierte und grinste beinahe dauerhaft. Nur schade, dass er keine einzige Ansage sprach. JOURNEY selbst sind für mich eindeutig der Gewinner des Tages. Bei Songs wie 'Faithfully' und 'Open arms' kamen erstmals Chöre auf und zu Rocknummern a la 'Anyway you want it' oder dem großartigen Abschluss 'Don't Stop believing' wurde fleißigst gegröhlt. Ganz klare Sache, das war eine Riesenshow und mit diesem neuen und vor allem sehr jungen Sänger können JOURNEY sich sicher auch im 21. Jahrhundert weiter beweisen.

Die darauf folgenden KANSAS überließ ich dann erst einmal sich selbst, Pause war angesagt, denn zu DEF LEPPARD wollte man ja fit sein.

Die Briten starteten, etwas unglücklich, mit 'Rocket' ins Programm und bewiesen auch bei ihrer übrigen Songwahl manchmal ein nicht allzu glückliches Händchen. Dennoch: bei glasklarem Sound überzeugte die Combo durch Routine und merklichen Spaß und irgendwie hilft es einem Status auch immer wieder, wenn man sich auch mit Ende 40 noch sehr gut gehalten hat. Klassiker wie 'Photograph' und 'Pour some sugar on me' kamen gut an, Schade einzig, dass außer 'Hysteria' keine weitere Ballade gespielt wurde. Ein 'Love bites' hätte mich doch sehr gereizt. Ein guter Gig war es dennoch.

Etwas in Stress geraten waren TWISTED SISTER. Durch Flugverspätungen kamen die Schwestern erst kurz vor Gigbeginn an und traten somit mal ungeschminkt auf. Die ersten drei Songs des Sets dominierten dann auch noch Soundprobleme und eine immer wieder wegbrechende Gitarre und auch Dee Snider habe ich schon einmal besser bei Stimme gehört. Da sich bei mir auch so langsam Hunger einstellte und es regnete versuchte ich mich primär an der Auffindung von nichtvorhandenen Unterstellmöglichkeiten. Mit einem extrem langgezogenen 'I wanna rock' entließen TWISTED SISTER, nach einem, meiner Meinung nach eher durchwachsenen, Gig die großteils glücklichen Fans zu WHITESNAKE. Kleine Randbemerkung dazu noch: Zwei Ansagen von Dee Snider waren einfach göttlich: "Normally TWISTED FUCKIN’ SISTER play headliner but with bands like Motörhead, Whitesnake und KISS it's ok." "He you motherfuckers over there (gemeint waren die Leute vor der anderen Bühne). Why do you look at this stage. There’s nobody on that stage. Come an join us."

Nun aber zu WHITESNAKE und der Enttäuschung des Tages. Dass David Coverdale nicht mehr die Kondition wie vor 20 Jahren hat ist bekannt und vertretbar. Was Herr Coverdale an diesem Nachmittage abzog war aber vollkommener Hohn. Viele Parts lies er allein von der Backingband singen, Screams waren nur Gekrächze und 'Still of the night' war eine Beleidgung an die eigentliche Intensivität und Qualität des Songs. Zwar gesprächig aber gesanglich schlecht wirkte Coverdale zudem nicht ganz bei der Sache (er begrüßte ewig "Dutch people") und schien auch jede realistische Einschätzung seiner Stimme verloren zu haben. Schade, so was ist aktiver Statusabbau.

MOTÖRHEAD hingegen können gar nichts falsch machen. Darum nur wenige Worte: "They're Motörhead, they play Rock’n’Roll."

Headliner des Abends waren dann KISS und man durfte gespannt sein. Die Berichte aus Oberhausen klangen so extrem gut, dass ich mich irrsinnig vorfreute. "You wanted the best, You got the best. The hottest Band in the world – KISS". Und dann fiel der Vorhang und KISS segelten von der Decke. Was die vier Amerikaner um Gene Simmons und Paul Stanley showtechnisch abziehen ist wirklich der Wahnsinn, musikalisch war ich allerdings eher weniger begeistert. Während Leadgitarrist Tom Thayer Beethoven total verhunzte wurde mir beinahe schlecht und auch anderweitig wirkte die Band oftmals statisch und einfach durchprogrammiert. Die Setlist, primär bestehend aus vielen "Kiss Alive" Songs, konnte sich durchaus sehen lassen und im Zugabenteil mit 'Love gun', 'Detroit Rock City', 'Rock'n'Roll all night' und natürlich 'I was made für loving you' packte auch mich dann durchaus die Begeisterung, Letztendlich kann ich die Faszination KISS aber nach wie vor nicht nachvollziehen. Musiker mit riesigen Showelementen wie LIZZY BORDEN oder ALICE COOPER wirken auf mich einfach immer noch authentischer. Dem Gros des Publikums schien es aber zu gefallen und die Show als solche war auch reiner Wahnsinn.

Insgesamt gebührt dem Arrowrock großes Lob. Funktionierendes Markensystem, anständige und ausreichende sanitäre Anlagen, guter Sound...das macht ein Festival gut. Großes Manko: Die sehr schnell hintereinander spielenden Bands. Das ist doch sehr anstrengend und lässt wenig Zeit das Erlebte zu verarbeiten.

Über Preise für Speisen möchte ich mich hier nicht auslassen, denn die Überteuerung ist überall zu bemerken.

Cooler Sonntag also, that's Rock'n'Roll, Suckers!

Billing
Kiss
Whitesnake
Def Leppard
Journey
REO Speedwagon
Motörhead
Twisted Sister
Kansas
Gotthard

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