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Bang Your Head 2008

Take off: 27.06.2008 - Review (3587 mal gelesen)

Ein Bericht von JoS

Bang Your Head 2008

Heiß war es im südlichen Balingen als die Veranstalter des Bang your Head!!! Festivals wieder einmal eines der stärksten Billings des Jahres auf knappe 20.000 Musikwütige losließen, um eine riesen Party zu starten. Leider gab es dieses Jahr im Vorfeld Akkreditierungsprobleme und da ich auch nur allein auf dem Messegelände anwesend war (zumindest als Vertreter von B4M) nun eine abgespeckte Schilderung des Wochenendes.

Der Freitag begann für mich mit KORPIKLAANI, welche die müden und bereits verschwitzen Glieder munter machen. Die skandinavischen Partywaldschrate schaffen es einfach immer wieder ein Publikum zu animieren und aus ihrer 'morgendlichen' Lethargie zu befreien. Vor allem 'Happy little boozer' und 'Beer beer' wurden begeistert aufgenommen.

Auch die folgenden FORBIDDEN wussten zu überzeugen. Die Bay-Area Veteranen legten ein fegendes Brett von einer Soundwand hin und sorgten zumindest für ein wenig Luft durch einige Headbanger. Ein weiterer Beweis dafür, dass das Bang your Head!!! es immer wieder schafft mir neue Bands nahe zu bringen.

Auf der Suche nach Schatten wurde dann ENSIFERUM ignoriert um bei RAGE wieder bestgelaunt in die ersten Reihen stürmen zu können. Das Trio um Peavy Wagner zeigte sich auch an diesem Freitag gewohnt spielfreudig und die genialen Licks von Gitarrengenie Viktor Smolski sorgten sicher für das ein oder andere feuchte Höschen. Auch wenn die Playlist leider ein paar Songs vermissen lies - genannt seien 'Days of December', 'Set the world on fire' oder 'Great old ones' - war man mit einigen Stücken vom neuen Album und den in einem Medley Innbegriffenen 'Don't you fear the winter' und 'Higher than the sky' sehr gut bedient. Top Show!

Wie schon bei FORBIDDEN erwähnt dient das Bang your Head!!! mir sehr gut damit, neue Bands vorzustellen. Im Jahre 2005 waren es WHITE LION die als Specialguest auftraten und mir das Hirn aus dem Schädel bliesen. Entsprechend mit Vorfreude geladen fieberte ich dem Set entgegen. Als Mike Tramps Löwenstall dann mit 'Hungry' auf die Bühne ging war auch kein Halten mehr. Die hellbefellten Steppenkatzen spielten neben zwei neuen Songs ein fantastisches Best of Programm und alsbald sprang der Funken durchaus über. Gute Resonanz vom Publikum und ein 'Lady of the valley', welches mir beinahe die Tränen in die Augen trieb. Wenn WHITE LION diesen Herbst auf Tour gehen sollten wird man mich sicher dort antreffen, denn leider ließen sich 'When the children cry', 'Farewell to you' und 'Cherokee' vermissen.

Auf die durch Mike Tramp geheiligten Bretter stieg danach eine weitere Rocklegende. GREAT WHITE, mit welchen ich leider eher weniger vertraut sind, bewiesen, dass Bluesorientierter Rock keineswegs eingestaubt ist und steigerten sich in ihrem großartigen Set bis hin zu ihrem Klassiker 'Once bitten, twice shy' soweit, dass auch am anderen Ende des Festivalgeländes durchaus gelegentlicher Singsang zu vernehmen war. Auch hier: Geile Show bei geilem Wetter.

Die Rückkehr von Matt Barlow zu ICED EARTH hatte ja vor allem wegen der Art der Trennung von Tim Owens einige Kritik ausgelöst. Aber bereits auf dem ROCK HARD Festival hatten die US-Metaller bewiesen, dass Jon Schaffners Opportunismus nicht allzu verkehrt ist. Auch in Balingen überzeugten die Metalveteranen erneut mit einer minimal veränderten Playlist. Leider gab es kein 'Watching over me' zu hören, aber auch 'Dracula' und 'Melancholy' bewiesen eindrucksvoll, was Barlow Owens voraus hat, währen 'Tenthousand strong' auch von Matt problemlos gesungen werden konnte. Ganz klassisch verabschiedete sich das Quintett mit 'Iced Earth' und hinterließ eine äußerst gespannte Menge.

Und diese Menge musste sich gedulden. Es dauerte 15 Minuten länger als geplant bis endlich das Video zu 'I remember now' über die Leinwand flirrte und QUEENSRYCHE zu ihrem Opus "Operation:Mindcrime" auf die Bühne traten. Mit einem großen Trommler-Aufmarsch wurde 'Anarchy X' zeleberiert bevor sich die Progmetaller mit 'Revolution calling' in eine Art Metalmusical vertieften. Viele Theaterszenen, einen top aufgelegter Geoff Tate, der sowohl gesanglich als auch Schauspielerisch zu überzeigen wusste. Provokationen wie "no blood for oil" und "USA out of IRAQ" auf Schildern - ist es nicht bedenklich wie aktuell alles wieder wird? Eine Wahnsinnsshow. Die Band selbst immer etwas im Hintergrund zur Show, aber durchaus präsent, Gitarrensolo auf dem Catwalk. Ein wahres Optimum, welches in 'Eyes of the stranger' seinen großen Höhepunkt fand. Die folgende Pause nutzte ich mich etzwas zurückzuziehen. Leider überzeugte mich Teil 2 nicht soweit, als das ich es mir anschauen wollte, lieber war mir die Erinnerung an diese wahnsinnige Aufführung. Berichten zu Folge spielten QUEENSRYCHE aber nach "O:M 2" noch drei Stücke von "Empire" und eines von "Rage for Order". Auch so, eine außergewöhnliche, große Headlinerleistung und ein wohliger Gang Richtung Partyzelt, ähm, Bett natürlich.

Auch der Samstag begann entsprechend spät mit den US Rockern LIZZY BORDEN. Auch hier handelt es sich mal wieder um eine Band mit der ich eher sporadisch und mal so gar nicht intensiv Kontakt hatte. Dass dieses einmal wieder ein Fehler war wurde mir prompt klar, als die Schockrocker über Balingens Bühnenbauten fegten. Coole Show, geile Mucke und Titten. Ja, was will Man(n) denn mehr? Das Sologeklimper auf Bass und Gitarre war vielleicht etwas langwierig, aber ansonsten gibt es nur Positives zu vermelden bis die Herrschaften unter großem Applaus nach 'We got the power' die Bühne verließen.

Als Kontrastprogramm zu den zwei äußerst ansehnlichen Tänzerinnen von LIZZY BORDEN gab es dann den, wie gewohnt, unansehnlichen Gerre von TANKARD. Trotz ästhetischer Benachteiligung legten auch die Saufthrasher aus Frankfurt ein hervorragendes Set hin, spielten alle wichtigen Songs und gingen gewohnt souverän und sympathisch mit dem Publikum um. Höhepunkt der ganzen Geschichte war dann einmal wieder Freibier für alle, das Gerre von einem Fan einsingen ließ, welcher dann dankenswerterweise auch noch unter sein T-Shirt kommen durfte. So etwas nenne ich dann persönlich morbide Faszination. Eins stand aber fest; gute Laune bei über 30°C.

Bereits als ich zu LIZZY BORDEN lief, war bekannt gegeben worden, dass OBITUARY und HARDCORE SUPERSTAR ihre Plätze im Ranking tauschen sollten. Das wäre ja vollkommen vertretbar gewesen. Leider kamen die Streetmetaller aber gar nicht erst nach Balingen. Durch Flugstreichungen und Verschiebungen saßen die Jungs in Stockholm fest und ich stelle mir bis heute die Frage: Wer plant so späte Flüge?

Deutlich angepisst sparte ich mir dann auch das Ersatzprogramm, eine Mischung aus LIZZY BORDEN und AGE OF EVIL, welche aber, so berichtete man mir, ebenso wie die Kalfornien-Deathmetaller OBITUARY wahrlich gut gewesen sein sollen.

Erneut aufs Gelände zog es mich dann zu Zeiten von GRAVE DIGGER. Etwas ums Gelände rumwuselnd erlebte ich die Gladbecker Metalinstitution eher aus der Ferne. Folgendes lässt sich aber sagen: Die zweite Gitarre tut dem Livesound wahrlich gut und: Ich verstehe immer noch nicht was an dieser Band so toll ist. Dem Großteil schien es aber Spaß zu machen und sie waren auch deutlich besser als auf dem ROCK HARD im Jahr zuvor.

Von Akkordstümpern ging es dann über zu filigranen Wurstfingern. Der König der Neoklassik gab sich die Ehre und spielte so ziemlich alles außer Viktor Smolski in den Boden. Wenig Songs, was glücklicherweise auch wenig Tim Owens hieß, und viel Gedudel. Ein, sicherlich vor allem für Gitarristen, interessantes Set, welches aber auch so einen ordentlichen Unterhaltungsstatus hatte. Mit 'See the light tonight' verabschiedete sich Rampensau MALMSTEEN dann mitsamt seiner RISING FORCE und übergab die Bühne an das NWoBHM Urgestein SAXON.

Und SAXON kann man sich bekanntlich immer wieder anschauen und man wird vor allem nie einen schlechten Gig erleben. Auch diesmal waren die Briten um Frontmann Biff bestens aufgelegt und auch die Spielereien des sympathischen Fronters kamen wieder super an. "Do you wanna hear a fast one or a slow one? An old one or a new one? Crusader? No, später!" Großartiges Set, das aber leider '747 Strangers in the night' vermissen ließ, dafür aber durch eine Kooperation mit Herrn Malmsteen bei 'Denim and leather' aufwartete. Tja, wäre das einmal der Headlinergig gewesen.

Was JUDAS PRIEST danach abzogen war nämlich ein aktiver Legendenabbau. Prägnant vor allem ein Rob Halford, welcher kaum noch in der Lage war sich zu bewegen, ewig in einer Ozzy-ähnlichen Geste über dem Teleprompter hing und die Stufen der Bühneneinrichtung nur mit Mühe bestieg. Kommunikation mit dem Publikum gab es bei einem Mitsingspielchen, bei welchem sich der Metalgod aber nicht dazu herabließ das Publikum anzugucken. Bei der Verabschiedung blieb Herr Halford dann auch lieber im Hintergrund. Große Negativhöhepunkte gab es vor allem im 'Painkiller', so wie eigentlich in jedem Gesangspart, welcher sich aus der mittleren Stimmlage entfernte. Im großen und ganzen blieb, neben Auslassungen wie 'Living after midnight', 'Ram it down' oder 'Bloodred skies', vor allem der Eindruck einer absolut überflüssigen Reunion und eines traurigen, alten Mannes zurück. Sehr Schade um eine ehemals große Band.

Kleine Randnotizen am Ende: Dass man vor dem Headliner über 20 Minuten für Getränke ansteht und diese dann nicht bekommt, weil nicht ausreichend Becher da sind, geht einmal gar nicht. Auch frage ich mich, warum bei der Gluthitze kein Wasser in die Menge gespritzt wurde. Ansonsten gibt es nichts zu bemängeln. Die Dixies waren im super Zustand, die Securities äußerst nett und hilfsbereit und das Bang your head!!! ansonsten auch hervorragend durchgeplant. Manko wieder an dieser Stelle: Zu hohe Preise für Getränke und Speisen!

Billing
Queensryche
Judas Priest
Saxon
Iced Earth
White Lion
Rage
Great White
Lizzy Borden
Hardcore Superstar
Yngwie Malmsteens Rising Force
Grave Digger
Tankard
Ensiferum
Obituary
Lizzy Borden
Agent Steel
Onslaugh
Korpiklaani
Forbidden
Secracy
Breaker
Age of evil
TYR
Contrcrash

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