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Festival Reviews 2021
Headbangers Open Air 2021 (Corona Edition)

Ironhammer Festival 2021

Wacken:Open:Air 2003

Take off: 31.07.2003 - Review (5497 mal gelesen)

Früh übt sich... Wacken ist gelaufen - und es ist gut gelaufen. Heiß und hart, laut und lustig, Spaß und Sonne. Eine Nacht war auch mal nicht trocken, aber bereits am folgenden Freitagmorgen war es sofort wieder sonnig und umgehend tierisch heiß. Aber fangen wir von vorne an.

Donnerstag - Die Anreise dauert länger als je zuvor, mehr Stau und mehr Baustellen, aber der um ein vielfaches schnellere CheckIn am dieses Mal räumlich vom Festivalgelände weit entfernten Container bringt uns zurück in den Zeitplan. Die wohl beste Neuerung auf dem Gelände seit es Festivals gibt sieht man sofort: zwischen den beiden Hauptbühnen hängt eine 4m mal 3m große "Video-Wall", die dank LED-Technik gut sicht- und lesbar Infos über Termine und Änderungen sowie während den Gigs jeweils das gefilmte Geschehen auf der Bühne wiedergibt. Die Videowall während dem Sentenced Auftritt Super Sache für kleinere und weiter weg stehende Leute, die dank redaktionellem Schnitt mehr vom Geschehen auf den Bühnen mitbekommen. Zugleich aber vermittelten die zahlreichen Kameraleute und der schon bekannte, aber dieses Mal anscheinend noch mehr eingesetzte Kamera-Schwenkarm, dieses Jahr mehr als je zuvor ein sehr kommerzielles Feeling. Es sieht schon fast aus wie auf der Popkom, wo alles und jeder gefilmt wird - ich habe mich immer wieder gestört gefühlt. Wenigstens ist der nervige Fotograf vom RockHard nicht mehr auf die Bühne gekommen, der letztes Jahr u.a. bei Edguy ganz massiv genervt hat - danke! Auf dem Gelände sind noch weitere Displays verteilt, die aber denkbar ungeeignet für den Einsatz im Freien sind, da sie lichtschwach sind und stark spiegeln; solange die Sonne scheint kann man kaum erkennen, ob gerade eine Verschiebung bei den Meet&Greet-Dates oder Werbung fürs nächste Jahr gezeigt wird.

Annihilator im künstlichen Regen Annihilator brettern
Annihilator

Auf der Bühne eröffnen Circle II Circle die "Night To Remember". Eigenes Material wird gemischt aufgenommen, mich konnte es auch nicht wirklich begeistern, aber mit Savatage-Klassikern wie "Taunting Cobras" und "Edge Of Thorns" kann das Stevens/Oliva-Projekt ordentlich abräumen, und auch das Cover von Metallicas "Sanitarium (Welcome Home)" kommt gut an. Anschließend braten Annihilator ein fettes Brett in die bereits enorme Zuschauermenge. Victory wiederum sind vor allem deshalb atemberaubend, weil die Jungs ganz schön alt geworden sind und teilweise aussahen, als wollten sie uns Versicherungen verkaufen - optischer Kulturschock! Akustisch ist soweit alles in Ordnung, eine ordentliche Portion Heavy Rock, wie gewohnt, die gegen Ende noch von Saxon-Klassikern gekrönt wird (u.a. das unvermeidliche "Princess Of The Night"). Biff ist denn auch zugegen und gibt noch am folgenden Tag Interviews. "Roggen Rolf"[tm] hat es dann endlich halbwegs dunkel um die Bühne, als er mit seinen Mannen die Bühne entert. Mit ordentlich Pyros startet die 20-Jahre-Running-Wild-Feier und mit einem ausgiebigen Feuerwerk endet sie und mit ihr auch der erste Tag. Zu diesem Zeitpunkt haben wir allerdings schon festgestellt, dass unser Fäßchen Bier leider immernoch lauwarm ist. Die oft geäußerte Kritik an Running Wild gereicht mir hier zur Entschuldigung, dass ich außer den Zugaben ("Under Jolly Roger" und "Chains and Leather") keine Songtitel erfasst habe - 'die klingen eh alle gleich'.

Victory
Victory

Onkel Tom gibt es wichtiges Interview Zusammenfassend haben wir am Donnerstag unter anderem festgestellt, dass die neue Aufteilung des inneren Festivalgeländes revolutionär gut ist. Es sieht alles offener aus, viel mehr Platz, viel weniger Buden verstreut im Weg. Trotzdem kommt man von überall aus zügig zu Fressen und Saufen sowie dem jeweiligen Gegenteil - okay, wenn man nicht gerade in eine Pinkelrinne urinieren kann, muss man etwas mehr Weg oder Unanehmlichkeiten in Kauf nehmen, hier sind wie immer die Frauen benachteiligt. Die bis dato angetroffenen Securities waren allesamt nett und hilfreich (ich will nicht sagen 'erschreckend freundlich'), auch wenn sie nicht alle wie angekündigt eine Nummer trugen (vielleicht habe ich aber auch noch nicht die unterschiedlichen Klassen von Metal Guards / Securities verstanden). Das Wetter zu guter letzt war eher schon zu gut. Die Hitze war an allen Tagen ein ständiger Begleiter und Unterdrücker.

Sentenced Freitag - bereits früh am Tag geben The Crown gut Holz auf der Black Stage. Dabei fällt mir erst auf, dass ich am Abend zuvor fast auf das Zelt der netten Skandinavier gepinkelt hätte - ups! Wenig später spielen Sentenced ein ordentliches Set, auch wenn sich Sänger Ville Laihiala offensichtlich im Kleiderschrank vergriffen hat, denn auf seinem T-Shirt prangt stolz die Aussage "SUPER GAY"...
Primal Fear Wenig später stürmte das German Metal Comando die Bühne. Anscheinend hatte die Führung einheitlichen Look verordnet und so erschienen die Axtschwinger inklusive Mat Sinner in schwarz/weißen Tarnhosen, die wohl auch noch in Einheitsgröße geordert worden waren, denn beim genannten Basser spannte das gute Stück doch ganz schön um die Beine und das ausgewachsene Hinterteil. Die Sirene Ralf Scheepers wiederum trinkt während des Gigs - nicht wie ordinäre Musiker Wasser, nein - Weißwein. Das ist natürlich bestimmt gut für die Stimme, deshalb macht er das. Der Auftritt ansich bot wenig Überraschungen, aber wenigstens auch keine negativen, wie bei den späteren Bühnennachfolgern von Gamma Ray. Die ließen nämlich erstmal eine Batterie von Lampen aufbauen, die sich dann als viel optischen Lärm um nichts erwiesen, und der sonst sympathische Kai Hansen kam mit einer arroganten Ansage daher, dass sie eh nichts anderes spielen würden als das bekannte Skeletons-Programm, wir also bloß nicht nach solchen Songs wie "Rebellion In Dreamland" rufen sollten. Nun, Mitsingnummern wie "Heavy Metal Universe" machen trotzdem Laune und so wollen wir auch Ausrutscher beim Duett und anschließend verpatztem Einsatz entschuldigen... Erwähnenswert noch die Heile-Welt-Versönungs-Nummer zusammen mit Ralf Scheepers, die von den Fans wohlwollend aufgenommen wurde.

Kai Hansen Gammaray mit Lampen statt Boxen
Gammaray

Zum Tageswechsel dann endlich der unglaubliche Headliner - Twisted FUCKING Sister stürmen die Bühne, sehen zumindest von weiter weg wieder aus wie vor 20 Jahren (etwas Speck setzt man halt schon an...). Klarer Sound und erwartet gutes Programm stellen die solide Basis dar, auf der natürlich die Glanzlichter wie "We're Not Gonna Take It" und "I Wanna Rock" oder "S.M.F." nicht fehlen durften. Ein herrliches Hochgefühl stellte sich ein, alle rockten und gröhlten sich den Arsch ab bis zum selbstgemachten Erdbeben ("everybody jump!"). Nach über anderthalb Stunden sah man überall zufriedene Sick MotherFucker. Dabei ist noch zu bemerken, dass die Lautstärke nicht so berühmt war. Schon optisch meinte ich zu erkennen, dass man bei den Boxenwänden deutlich reduziert hat, allerdings tat das tagsüber dem Lärm keinen Abbruch, während die Headliner abends eher leise erschienen.
Zur guten Nacht ließen wir uns dann noch ein Monsterrock Schlaflied (oder zwei, oder drei, oder so) von Lordi trällern. Nicht ganz so souverän wie bei der Road Show konnten die Finnen trotzdem begeistern. Einfach eine geniale Rock'n'Roll Wacken-Nacht!

Jutta Weinhold rockt mit Metalium Der Samstag dämmerte mit Holy Moses mit der Sinister Frontröhre statt Sinister selbst, uninteressanten Graveworm auf der Party Stage und später den verschmierten Thyrfing auf der True Metal Stage. Letztere waren da schon ganz gut aufgehoben, obwohl sie eigentlich auch auf der kleinen Party Stage spielen sollten. Aber das stand den Herren schon ganz gut zu Gesicht und so ballerten sie eine gute Performance in die schon wachen Metallerohren.
Metalium sind anscheinend fast jedes Mal da, das Programm ändert sich nicht viel, aber dieses Jahr kam nach dem Feuerspucken noch Jutta Weinhold auf die Bühne und rockte ein, zwei Runden mit den Jungs um Lars Ratz. Gute Güte, die Frau sieht auf den ersten Blick für ihr Alter noch ganz schön sexy aus, aber ach! Genauer sollte man nicht hinsehen! ;-) Die Stimme allerdings ist immernoch ein Killer.

Rage Mehr Rage
Rage

Prelistening Session mit Rage Nach Pre-Listening und Pressekonferenz mit Rage durfte das Trio dann auch auf die Bühne und uns mal wieder ein Sahne-Programm ins Fell brennen. Ich wiederhole mich immer wieder, wenn ich sage, dass wir es hier mit einem unglaublich tighten und qualifizierten Team zu tun haben, dass seinen Spaß an der Musik wunderbar auf die Zuschauer und Zuhörer übertragen kann. Einige alte Nummern wurden in Form eines Medleys eingebracht, damit noch genug Zeit blieb für neuere Songs und auch einen Track vom kommenden Album ("War Of Worlds" konnte schon schnell mitgesungen werden). Trotzdem viel zu kurz für meinen Geschmack war die eine Stunde Spielzeit - wann bekommen Rage endlich mal den verdienten Headliner-Spot?! Don't you fear the winter... Hach, ich könnte schon wieder! Wer anschließend vom Gelände in den Backstage-Bereich wollte, weil er nunmal dort zeltete oder ein Interview-Date hatte, schaute dumm drein, denn der Durchgang nach hinten wurde von der Security abgeriegelt. Der Grund war bald ausgemacht: Slayer sollten wenig später zum Meet&Greet erscheinen und mussten durch diese Gasse kommen. Okay, die fünf Minuten hat man ja Zeit. Aber nach zehn Minuten war das Meer der Wartenden - sowohl Fans vor dem Meet&Greet als auch Journalisten, die nach hinten wollten - nicht mehr zu überblicken. Es standen scheinbar viel mehr Leute in der Ecke des Platzes als vor allen bespielten Bühnen zu diesem Zeitpunkt. Auch die Anfangszeit für die Autogrammstunde der Damen Araya & Co. war längst überschritten und Unmut machte sich breit. Das war nun wirklich die letzte Sauerei, die Ihr da abgezogen habt, Leute. Slayer sind doch auch nur popelige Musiker und keine vom internationalen Terror bedrohten Heiligen! Mit horrender Verspätung kamen sie dann doch noch und wir durften uns endlich wieder frei bewegen - nach über einer halben Stunde Rumstehen. Fettes Minus für die Organisation, die sonst so gut war.

Stratovarius Nunja, es folgten Stratovarius, die trotz schlechter Erfahrungen von ihrem letzten Auftritt in Wacken (Timo Kotipelto verbrannte sich die Hand in einer Fontäne) wieder einiges an Pyros abfeuerten, ansonsten ein nettes Programm spielten, aber nicht so begeistern konnten wie später Sonata Arctica. Doch der Reihe nach. Auf der Party Stage besuchten wir später noch Sinner und waren überrascht, wie sympathisch der arrogante Herr Sinner doch sein kann. So knallten die Jungs ein hartes Set in die Nacht, das ohrenbetäubend rockte und eine richtige Sause wurde, als Billy Idol mit "Rebel Yell" zitiert wurde. Auch habe ich es noch nicht erlebt, dass ein Frontmann ein gerade mit rhythmischem Klatschen eingeläutetes Lied abbricht, weil das völlig verpeilt klatschende Publikum den solo intonierenden Gitarristen total aus dem Takt bringt; "wir müssen doch zusammenarbeiten, nicht gegeneinander!" - selbst da war er freundlich und spaßig. Mat Sinner at night Sinner also die Überraschung Nummer eins dieses Jahr. Dann sollten die Headliner kommen, aber was kam waren leise, kalte und uninspirierte Slayer. Wie man sagt gab es nichtmal Zugaben, aber so lange waren wir schon gar nicht mehr geblieben.
Sonata Arctica trumpften zu später Stunde, wie bereits angedeutet, mit ihrem starken Power Metal auf. Hier ging nochmal ordentlich die Stimmung ab, um abschließend bei Onkel Tom den Höhepunkt zu erreichen. Jener wurde gegen drei dann natürlich wieder abgewürgt, aber bis dahin war schon einiger Gerstensaft die Kehlen hinabgeflossen und einige Sauflieder zum Besten gegeben. Wacken 2003 war zuende. Ziemlich plötzlich und rückblickend viel zu kurz. Wie immer. Aber in weniger als einem Jahr geht es ja schon wieder weiter! Es gibt Hoffnung!

Henny Wolter Und die Hoffnung scheint begründet, denn nach den derben Problemen im letzten Jahr war die Organisation dieses Mal in den allermeisten Punkten hervorragend. Der verdoppelte Einlassbereich ist dabei ebenso zu nennen wie die ordentlichen sanitären Anlagen, die offenere Aufteilung des Geländes und die Video Wall. Weiter so, aber aufpassen, dass ihr nicht den Boden unter den Füßen aus den Augen verliert und abhebt, liebe Leute. Die Metaller kommen hauptsächlich, weil es so gemütlich und Fan-freundlich ist, nicht weil immer mehr Kameras den Blick auf die Bühne verdecken.

Billing
ANCIENT RITES, ANNIHILATOR, ASSASSIN, BAI BANG, CALLENISH CIRCLE, CARPATHIAN FOREST, DARK AGE, DARK FUNERAL, DARKANE, DEW-SCENTED, DIAMOND HEAD, DIE
APOKALYPTISCHEN REITER, DISMEMBER, EIDOLON, EVIDENCE ONE, EXTREME NOISE TERROR, FREEDOM CALL, GAMMA RAY, GRAVEWORM, HEAVENSHALLBURN, HUMAN FORTRESS, IN FLAMES, KATAKLYSM, LORDI, LOTTO KING KARL, MALEVOLENT CREATION, MASTERPLAN, METALIUM,
NILE, OBSCENITY, ONKEL TOM, ORATORY, PRIMAL FEAR, PSYCHOPUNCH, RAGE, RAISE HELL, RAUNCHY, ROTTING CHRIST, RUNNING WILD, SENTENCED, SEVENTH ONE, SINISTER, SINNER, SLAYER, SOILWORK, SONATA ARCTICA, STRATOVARIUS, SUBWAY TO SALLY, SYMPHORCE, TESTAMENT, TTHE CROWN, THYRFING, TWISTED SISTER, TWISTED TOWER DIRE,
V8 WANKERS, VADER, VICTIMS OF MADNESS & VICTORY

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