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Bang Your Head 2013

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Take off: 12.07.2013 - Review (4088 mal gelesen)
Jahr für Jahr zieht das "Bang Your Head" nun in schöner Regelmäßigkeit eine gut fünfstellige Anzahl treuer Fans klassischer Heavy Metal- und Hard Rock-Klänge an. Woran liegt das? Ist es die beschauliche Landschaft des Zollernalb-Kreises inmitten derer das Städtchen Balingen eingebettet liegt? Ist es der überschaubare, nahezu heimelige Rahmen, in dem man sich seit vielen Jahren an der Volksbankmesse eingerichtet hat? Die kurzen Wege, auf denen alles erreichbar ist? Die im Vergleich zur Konkurrenz immer noch fairen Preise sowohl für das Ticket als auch auf dem Gelände selbst? Liegt es am angenehmen Publikum, bei dem die Fans der Musik in der Mehrzahl und die mittlerweile auf Festivals üblichen Spinner klar in der Minderheit sind? Ist es die ziemlich traditionell-konservative Auswahl des Billings, die zwar einerseits keine großen Experimente wagt, andererseits aber mit schöner Regelmäßigkeit vielgeliebte Acts nach Süddeutschland holt und immer wieder mal echte, rare Schmankerl auf den musikalischen Speisezettel packt? Die Gründe sind sicherlich mannigfach und für jeden Besucher anders, doch zwei Dinge fallen schon beim Abholen des Bändchens am Freitagmittag auf: das Wetter ist 2013 ein Traum (und soll es auch bis zum letzten Act bleiben) und die Besucherzahlen sehen augenscheinlich deutlich höher aus als bei der 2012er Auflage des Festivals.



Nachdem 2012 doch ein recht unspektakuläres Billing vorzuweisen hatte, haben die Veranstalter sich für 2013 schon deutlich mehr Mühe gegeben und das schlägt sich offenbar richtig nieder. Unterm Strich ist das auch der einzig richtige Weg, denn auf Dauer gewinnt man nur mit der richtigen Mischung, die ein möglichst breites Publikum anspricht, wenn man nicht zum kleinen Spartenfest verkommen will. Zwar ist man bei den Headlinern mit SAXON und ACCEPT klar auf Nummer sicher gegangen, aber das ist wohl auch der Erwartungshaltung des Publikums geschuldet. Zu viele Experimente duldet das Balinger Publikum auch nicht, dafür ist man doch zu traditionsbewusst. Allerdings hat man auch gelernt, dass z.B. LORDI definitiv auf die große Bühne und nicht in die überfüllte Halle gehören und so einen entsprechenden Slot bekommen haben. Insgesamt gibt es also diesmal ein bunt gemischtes Line-Up, bei dem eigentlich alle Schienen und Sparten gut bedient werden, rare Acts neben etablierten oder vielgeliebten Größen auf der musikalischen Speisekarte stehen und eigentlich jeder die Chance hat, im Rahmen einer einzigen großen Schnittmenge zwischen Hard Rock und Heavy Metal, sein persönliches Festivalglück (zumindest in musikalischer Hinsicht) zu finden. Wettertechnisch und vom Billing her ist alles jedenfalls im sehr grünen Bereich.



Über Positionen im Billig mag man immer trefflich streiten und jeder setzt seine Präferenzen dabei sicherlich anders. CRAZY LIXX sind jedenfalls eine Band, die mich seinerzeit vom ersten Song an überzeugt hat. Dennoch verstehe ich irgendwie durchaus, dass sie dieses Jahr noch vor der Mittagsstunde auf der Bühne des "Bang Your Head" stehen. Die Jungs haben mittlerweile drei gute bis sehr gute Alben auf dem Buckel und machen eigentlich nur eins relativ falsch: zu wenig live spielen, um richtig nach vorne zu kommen, da das heute nun mal das A und O ist, um als jüngere Band wirklich durchzustarten. Nun ja, zum "Bang Your Head" haben sie es immerhin geschafft und hier können sie auch mal wieder auf ganzer Linie überzeugen. Die Jungs sehen angenehm, aber nicht peinlich für ihren natürlich 80er-inspirierten Rock aus und liefern eine gute Show ab. Songtechnisch passt eh alles, weswegen die Band sich hier höchstens selbst sabotieren könnte. Das passiert aber zum Glück nicht, und so gehören die vier jungen Schweden trotz der frühen Stunde auch zu den Gewinnern des Festivals. Klar, das sollten vielleicht endlich mal ein paar Leute mehr zu sehen bekommen, aber es war jedenfalls gewohnt gute Kost.

Set List CRAZY LIXX

01. Young Blood
02. Lock Up Your Daughter
03. Riot Avenue
04. Cum On Feel The Noize (SLADE COVER)
05. We're Not Gonna Take It (TWISTED SISTER Cover)
06. Want It
07. Rock And A Hard Place
08. Road To Babylon
09. 21 Til I Die
10. Heroes Are Forever
11. Whiskey Tango Foxtrot



Für mich persönlich ein Highlight am Freitag sind definitiv H.E.A.T. aus Schweden. Bei der immer noch jungen Band von Newcomern zu sprechen, wäre heute wohl nicht mehr angebracht. Drei Studioalben haben sie schon in der Karriere auf dem Buckel und das vierte Album wird grade eingetütet, das ist mehr als manch vermeintlich legendäre Band aus dem Underground von sich grundsätzlich behaupten kann. Erik Grönwall hat sich als Frontmann zwischenzeitlich nicht nur bestens bewährt, sondern bereits klar etabliert und geht in der Rolle voll auf. Musikalisches Material für einen Festivalgig hat man sowieso mehr als genug und so gibt es auch beim "Bang Your Head" 2013 eine ausgewogene Mischung aus Songs der tollen ersten beiden Platten sowie dem (noch) aktuellen Album "Address The Nation" (übrigens auch sehr gut). Die BYH-Nation nimmt das dankbar auf, denn die Spielfreude der Band ist wie immer enorm und man kann sagen, was man will, der hochmelodische und fröhliche Stoff macht einfach Laune. Grade bei dem traumhaften Wetter mit hochsommerlichen Temperaturen gibt es kaum bessere Musik als den ausgezeichneten Melodic Rock, den H.E.A.T. spielen. Auch wenn es sich angesichts der Uhrzeit noch immer mehr füllt auf dem Balinger Messegelände, das Publikum feiert die Schweden zurecht und kräftig ab. An dieser Band ist im Bereich modernen melodischen Rocks, der Tradition und Moderne perfekt verbindet, kein Vorbeikommen. H.E.A.T. dürfen gerne wiederkommen und vielleicht gibt man den Jungs dann sogar einen etwas besseren Platz im Billing, denn es kann gar nicht genug Publikum geben, um diese Band weiter unters Volk zu bringen.



ENTOMBED haben einige Besetzungs- und auch Stilwechsel hinter sich. Nichtsdestotrotz sind die Schweden mittlerweile wieder bei der härteren Gangart und dem Death Metal angekommen, der für die Band typisch ist. Garant für einen guten Gig sind die ehrwürdigen Herren allemal, weswegen sie eine sichere Bank an diesem Nachmittag darstellen. Übertriebene Show jenseits dezenten bis ordentlichen Mattenschüttelns gibt es zwar erwartungsgemäß nicht, aber das muss auch nicht. Dafür hat man eine ordentliche musikalische Mischung im Gepäck und die zahlreichen Hände im Publikum zeigen, dass ENTOMBED immer noch ankommen. Eine hübsche Abwechslung an diesem Nachmittag!

Set List ENTOMBED

01. Living Dead
02. Like This With The Devil
03. Out Of Hand
04. Revel In Flesh
05. To Ride, Shoot Straight And Speak The Truth
06. Stranger Aeons
07. Damn Deal Done
08. I For An Eye
09. Eyemaster
10. Supposed To Rot
11. Left Hand Path
12. Wolverine Blues



STRATOVARIUS sind da doch wieder eine ganz andere Band und haben eine durchaus bewegte Gesichte hinter sich. Nachdem Timo Tolkki mittlerweile nach diversen Eskapaden endgültig raus ist, ist es heute vor allem Timo Kotipelto, um den sich den Band dreht. Eigentlich sollten ja Blackie Lawless und seine Spießgesellen von W.A.S.P. heute auf der Bühne stehen, doch da der Gesetzlose sich bei einem Unfall das Bein gebrochen hat, musste nun mal Ersatz her. STRATOVARIUS waren kurzfristig zum Glück als namhafter Ersatz zu haben und was soll man sagen? Der gemeine W.A.S.P.-Anhänger wird vielleicht nicht unbedingt die fan-technische Schnittmenge bilden, aber der Powermetal mit klassischen Elementen ist doch immer für ordentliche Stimmung gut und das "Bang Your Head" macht da keine Ausnahme. Eine typische Show, eine saubere musikalische Leistung und zum Abschluss erwartungsgemäß und unvermeidlich der hymnische Alltime-Kracher 'Hunting High And Low', was will man mehr? Vielleicht nicht zwangsläufig drei Soli, aber ein wenig Ego-Politur braucht wohl doch jeder Profi-Musiker. Ein mehr als solider Auftritt, den es hier heute zu bestaunen gab!

Set List STRATOVARIUS

01. Abandon
02. Speed Of Light (incl. Gitarren Solo)
03. Halcyon Days
04. The Kiss Of Judas (zuvor Bass Solo)
05. Dragons
06. Against The Diamond (zuvor Keyboard Solo)
08. Unbreakable
09. Hunting High And Low



LORDI sind eine Band, die sich jegliche Meriten meines Erachtens völlig zurecht verdient hat. Man mag nicht mit allem konform gehen, was Mastermind Mr. Lordi mit seinen Kollegen - übrigens nach eigener Aussage durchaus demokratisch intern abgestimmt - bis heute gemacht hat, doch haben die Finnen sich im Ergebnis nicht verbogen. Konsequent ging man daher den eigenen Weg bis zum aktuellen und durchaus harten Album "To Beast Or Not To Beast", und der führte nun auch einmal über den legendären Sieg beim Eurovision Song Contest 2006. Die Band dafür ernstlich zu kritisieren oder darauf gar zu reduzieren wäre deutlich zu kurz gegriffen und würde der großen Idee dahinter nicht gerecht. Jenseits der zweifellos spektakulären Kostüme der Monster bieten die fünf Herren und Damen nämlich knackig eingängige Songs, die die besten Trademarks der Einflüsse der 80er Jahre mit dem bandeigenen Monster-Spin vereinen und mit ganz eigenem Flair ins 21. Jahrhundert bringen. Ein Zuckerschlecken ist es ganz sicher nicht, bei dem dieses Jahr beim "Bang Your Head" herrschenden heißen Klima in Latex und Fellteilen auf der Bühne zu stehen. Ein Glück, dass die Band es dennoch tut, denn wer sich an 2011 erinnert, weiß noch gut, dass LORDI als letzter Act des damaligen Festivals in der Halle einen echten Fan-Auflauf produzierten und diverse Fans nicht mehr hineinkamen. Der Sound ist zwar zu Beginn des Auftritts alles andere als optimal, doch das bessert sich zum Glück nach ein paar Songs. Die Set List ist gut gewählt und so ist es kein Wunder, dass die Show der Monster sehr gut aufgenommen wird. Im Gegensatz zum manchen Hallen-Gigs ist auf der großen Bühne hier auch das volle Show-Programm möglich. Sicher, im Dunkeln wäre das noch viel besser optisch, doch auch so gibt es genug zu sehen und zu tun für Mr. Lordi und seine Band, die alle ihren eigenen kleinen Auftritt im Rahmen des Gigs haben. Jeder Fan hat sicher noch den ein oder anderen Song, den er gerne gehört hätte, aber die Must Haves sind alle dabei. Die beiden neuen Bandmitglieder an Keyboard und Drums fügen sich schon prima in die Band ein und sind auch bereits - die Tour macht's möglich - gut eingespielt im Monster-Modus. Ist es ein Wunder, dass am Schluss nur noch 'Hard Rock Hallelujah' kommen kann und die Frage gestellt werden muss, 'Would You Love A Monsterman?'? Nach dieser überzeugenden Show ist das wohl nur noch eine rhetorische Frage, doch muss man wohl wirklich Verständnis haben, dass die Band fast sofort ins Hotel eilt, denn selten wird eine kalte Dusche so wunderbar gewesen sein, wie nach einem solchen Auftritt in entsprechenden Outfits.



Als es langsam dunkel ist, wird es dann Zeit für den echten Headliner des ersten Festivaltages. SAXON... irgendwie kann man es Metalfans wohl nicht immer recht machen, glaube ich. Für mich sind die Briten um Biff Byford leider irgendwie eine Band, die man so leicht sehen kann, dass es mich meist nicht übertrieben reizt, die NWOBHM-Veteranen bewusst live anzuschauen. Wenn man oft genug auf Konzerten und Festivals ist und war, hat man Biff und seine Jungs zwangsläufig schon das ein oder andere mal gesehen und keine Frage, Qualität wird immer geboten, das ist Pflicht. Spektakulär fand ich persönlich die Verpflichtung von SAXON als Freitags-Headliner jedenfalls nicht. Der Auftritt belehrt mich dann doch eines Besseren, denn wie angekündigt haben die Briten den riesigen Adler am Start, der zuletzt bei Wacken für Aufsehen gesorgt hatte und so macht die Bühne allein schon einiges her. Biff ist hervorragend bei Stimme und die ganze Band hat schlichtweg verdammt viel Spaß. Das liegt sicherlich nicht zuletzt am Balinger Publikum. Da das "Bang your Head" Publikum eher konservativ ist als zu viel Progressivität zu wünschen, kommen SAXON daher nämlich auch ausgezeichnet an. Die Set List ist ausgewogen und lässt keine Wünsche offen, sowohl neueres Material bekommt angemessen seinen Raum als auch sämtliche Klassiker. Offenbar war die Entscheidung, die Traditionalisten mit voller Breitseite zu bedienen, goldrichtig. SAXON zeigen, dass der Adler immer noch mit verdammt viel Macht landen kann! So freue auch ich mich unterm Strich, diesen feinen Auftritt gesehen zu haben, denn SAXON verdienen spätestens nach diesem Gig in meinem Kopf eine größere Bühne als die, die sie vielfach bespielen. SAXON sind auch 2013 definitiv kein altes Eisen.



Set List SAXON

01. Sacrifice
02. Wheels Of Terror
03. Power And The Glory
04. Heavy Metal Thunder
05. Motorcycle Man
06. I've Got To Rock (To Stay Alive)
07. To Hell And Back Again
08. Night Of The Wolf
09. The Eagle Has Landed
10. Conquistador
11. Drum Solo
(Nigel Glockler)
12. Solid Ball Of Rock
13. Stand Up And Fight
14. Dallas 1 PM
15. And The Bands Played On
16. 747 (Strangers In The Night)
17. Wheels Of Steel
Encore:
18. Crusader
19. Strong Arm Of The Law
20. Denim And Leather
21. Princess Of The Night



Im Gegensatz zu manch anderem Jahr hat das "Bang Your Head" 2013 tatsächlich zwei wirklich prachtvolle Tage von der Witterung abbekommen. Nach einer wohlverdienten Nachtruhe, sofern sie denn gewünscht war, erwartet die Fans in Balingen auch am Samstag wieder strahlendes Traumwetter. Eine gute Gelegenheit, um zwischen den diversen Auftritten den Getränke- und Essensständen zuzusprechen, die ein immer wieder reichhaltiges Angebot kredenzen. Die Preise sind dabei nicht geschenkt, aber dennoch weiterhin akzeptabel. Sicher hat jeder seine Favoriten und nicht alles schmeckt jedem, doch sind beispielsweise die Käsespätzle offenbar ziemlich gut nach landläufiger Ansicht, die Dauer-Schlange spricht jedenfalls dafür. Nicht vergessen werden darf jedoch auch das dieses Jahr wieder umfangreiche Angebot an Merchandise-Ständen und die große Metalbörse. Wer auf dem "Bang Your Head" 2013 keine Möglichkeiten findet, seine letzten Euros in Merch zu investieren, der mag wohl weder Metal noch Hard Rock. Alle guten Sachen mit guter Musik und kurzen Wegen, so ist Balingen auch 2013 wieder zu beschreiben. Ob gewollt oder nicht, auch ich bin am Ende des Festivals wieder um einige Euros ärmer, da sich doch immer wieder mal ein feines Schnäppchen finden lässt. Doch Musik gibt es schließlich auch am Samstag zu hören, also auf zu den entsprechenden Bands.



MORGANA LEFAY sind eine Band, die ich zwar immer irgendwie auf dem Schirm, aber nie so wirklich im Bewusstsein hatte. Von daher war es mir mehr als recht, dass die mittlerweile mal wieder aktive Heavy Metal-Kapelle sich auch nach Balingen verirrt hat. Irgendwo zwischen klassischem Heavy und Power Metal mit einigen Doom-Anleihen, so kann man die Musik der Schweden wohl am besten beschreiben. Auch wenn ich bislang keine Alben der Band habe, so zieht mich das Geschehen auf der Bühne doch irgendwie ganz schnell in seinen Bann. Nahezu hypnotisch ist das, was MORGANA LEFAY dort Hymnisches zelebrieren und nicht nur für mich stellt dieser Auftritt in der Gesamtbetrachtung eines der Highlights des diesjährigen "Bang Your Head" Festivals darf. Das mehr als großartige 'Maleficium' ist ein ausgezeichneter Schlussstein unter einen tollen Auftritt, der ruhig noch ein wenig länger hätte sein dürfen. Immerhin folgt gleich im Anschluss ein weiterer mehr als spannender Kandidat für den Auftritt des Festivals aus persönlicher Sicht.

Set List MORGANA LEFAY

01. The Source Of Pain
02. Rooms Of Sleep
03. Master Of The Masquerade
04. Another Dawn
05. Hollow
06. Angel's Deceit
07. I Roam
08. In The Court Of The Crimson King
09. Maleficium



Die Band, auf die ich mich persönlich im Vorfeld nämlich wohl am meisten gefreut habe, sind die wiedervereinten SANCTUARY, die nach einer (wie fast durchweg 2013) relativ kurzen Umbaupause hier die Bühne entern sollen. Die legendäre Vorgänger-Band von NEVERMORE um Sänger Warrel Dane legte vor über 20 Jahren mit "Refuge Denied" und "Into The Mirror Black" zwei herausragende Alben vor, die nicht ohne Grund ziemlich universal als Klassiker gelten. Glücklicherweise sind beide Alben mittlerweile auch wieder problemlos im Doppelpack als Wiederveröffentlichung erhältlich (wer die nicht hat, sollte also schleunigst zuschlagen!), so dass sich auch neue Fans schon vorab von den Qualitäten der Band im Studio überzeugen können. Ob die Gerüchte wahr sind, dass Warrel Dane sich bei den Aufnahmen zu "Refuge Denied" wirklich die Stimmbänder geschädigt hat ob der teils ausgesprochen hohen Stimmlagen? Man weiß es bis heute nicht, aber der Maestro kündigte an, dass er durchaus noch in der Lage sei, wieder in diese stimmlichen Regionen vorzudringen und das machte doch umso mehr Appetit auf diese Reunion, der auch ein neues Album folgen wird. So oder so, da auch bei NEVERMORE zuletzt das ein oder andere stimmliche Manko live zu vernehmen war, die Stimme des Protagonisten war auf jeden Fall ein spannendes Thema vor diesem Auftritt. Das "Bang Your Head" war eine der wenigen Chancen, SANCTUARY in hiesigen Gefilden zu sehen, von daher machte das den Gig umso besonderer. Ziemlich pünktlich betritt die Band die Bühne und legt mit 'Taste Revenge' ordentlich los. Das klingt schon mal mehr als ordentlich und lässt mich optimistisch den weiteren Gig verfolgen. Neben einer schönen Mischung aus den beiden Studioalben gibt es heute tatsächlich auch zwei neue Songs zu hören, die beide keinesfalls negativ aus der Set List hervorragen. Nein, vielmehr fügen sich beide gut ein und lassen einiges vom Reunion-Album erhoffen. Der kritische Song für mich ist jedenfalls das geniale 'Battle Angels', der perfekte Opener von "Refuge Denied" - und Warrel meistert ihn! Gut, wie auf Platte ist das stimmlich kaum zu performen live, insbesondere in seinem Alter, aber er legt eine sehr gute Performance an den Tag. Um diesen Umstand zu würdigen - ja, ich liebe den Song! - nutze ich die Gelegenheit, gleich am Merchandise-Stand die fair bepreiste Zipper-Jacke mit dem Motiv des ersten Albums zu erwerben. Danke, Warrel - diesen Umsatz kannst Du Dir klar auf Deine Fahnen schreiben! Doch auch die restliche Band macht einen tollen Job und so können SANCTUARY wirklich live durch die Bank überzeugen. Sympathisch übrigens, wie Mr. Dane gegen Ende des Gigs einen kurzen Einblick in das Leben eines Rockstars gibt und rauslässt, dass man an einem Festival meist kurz vorher ankommt und kurz nach dem Auftritt schon wieder in Richtung Flughafen für die nächste Station gekarrt wird - "That's the life of the rockstar, you know?" - was soll's, SANCTUARY sind zum Glück zurück und bis zum neuen Album gibt's jetzt wieder die beiden Klassiker in Schleife.

Set List SANCTUARY

01. Taste Revenge
02. Seasons Of Destruction
03. Die For My Sins
04. Battle Angels
05. Frozen (Neuer Song)
06. World Is Wired (Neuer Song)
07. The Mirror Black
08. White Rabbit (JEFFERSON AIRPLANE Cover)
09. Soldiers Of Steel
10. Future Tense



Ein wenig Abkühlung verheißt hiernach der Auftritt von RAGE. Smolski und Co. sind schon lange im Geschäft und man weiß einfach, was man bekommt. RAGE ist und bleibt RAGE - mehr muss man an sich nicht sagen. Deutsche Wertarbeit der metallischen Art ist daher auch in Balingen immer gern gesehen und kühlt wirklich angenehm ab.

Set List RAGE

01. House Wins
02. Twenty One
03. Forever Dead
04. Straight To Hell
05. Feel My Pain
06. Soundchaser
07. Refuge
08. Higher Than The Sky



Richtig kühl wird es jedoch endgültig erst mit ICED EARTH. Jon Schaffer musste lange viel Kritik in Deutschland einstecken, obwohl sein Baby in Deutschland lange Jahre eine echte Macht darstellte. Insbesondere der konsequente Patriotismus auf der umstrittenen (aber gar nicht mal schlechten) Platte "The Glorious Burden" brachte jedoch hier seinerzeit Horden penetrant selbstgerechter linker Metal-Gutmenschen auf die Barrikaden. Abgesehen davon, dass m.E. der Großteil dieser bornierten Ausgeburten der Spießigkeit eines unangenehmen Zeitgeists den Punkt nicht verstanden hatte, um den es dem Meister ging, nämlich historische amerikanische Ereignisse musikalisch umzusetzen (und nicht z.B. aktuelle Kriege der US-Administration zu promoten!), hat sich Mr. Schaffer mittlerweile politisch stark gewandelt. Zwischenzeitlich ist nämlich nichts mehr mit Loyalität zur US-Regierung, sondern spätestens seit dem SONS OF LIBERTY-Projekt ist Jon unter die Truther gegangen und wird von manch einem gar abfällig als Verschwörungstheoretiker belächelt. Sei's drum, ein Jon Schaffer ist nicht unterwegs, um es den Leuten recht zu machen, sondern arbeitet für seine Überzeugungen, mögen die der vorgeschobenen Political Correctness auch zum Kotzen erscheinen. Damit an dieser Stelle dann auch genug der Polemik und zurück zur Musik. Mittlerweile mit dem jungen Stu Block als Ersatz für Langzeit-Sänger Matt Barlow unterwegs will Jon jetzt zeigen, dass auch 2013 Balingen vereist werden muss. Der junge Mann von INTO ETERNITY hat sich mittlerweile gut in die Rolle des Frontmanns einer regelmäßig tourenden größeren Band eingefunden und liefert eine tadellose Performance. Sowohl mit den Bandklassikern aus der Barlow-Ära als auch natürlich dem neuen Material kommt Stu offenbar prima zurecht. Jon liefert mit den übrigen Kollegen eine präzise Untermalung für die Set List, die altem und neuem Material genug Raum lässt. Ein Festival-Gig lässt leider nicht genug Platz, um z.B. die grandiosen langen Band-Epen auszupacken, aber dafür gibt es ja auch Solo-Gigs. Man mag über die Bandkleidung mit weißem Denim geteilter Meinung sein (siehe auch den Bericht zum "Metal Fest" 2013), ich bin jedoch der Meinung, dass es irgendwie Stil hat. Letztlich kann ich für mich selbst nur sagen, dass mir ein oder zwei Songs mehr noch gut gefallen hätten, aber man kann ja nicht alles beim Festival-Auftritt erwarten. ICED EARTH können jedenfalls auch in der aktuellen Inkarnation überzeugen. Und offenbar sieht man das auch in Balingen so, denn der Applaus ist zum Glück reichlich.

01. Dystopia
02. Dark Saga
03. Pure Evil
04. Burning Times
05. I Died For You
06. V
07. A Question Of Heaven
08. Anthem
09. Boiling Point
10. Watching Over Me
11. Iced Earth
Encore:
12. The Hunter



Und letztlich nähert sich auch der Samstag des 2013er "Bang Your Head" dem Ende, was zwar einerseits schade ist, aber bei weiterhin Traumwetter schließlich noch Raum lässt für den würdigen Samstags-Headliner. ACCEPT... was für ein Name in der Metalwelt! Legionen internationaler Bands nennen die ursprünglich aus Solingen stammende deutsche Institution reinen Stahls als einen starken Einfluss. Wolf Hoffmann und seine Mitstreiter schrieben natürlich insbesondere mit Udo Dirkschneider am Mikrofon definitiv ganz große Metalgeschichte und schufen zahlreiche Klassiker. Die knorrige Reibeisenstimme ist zwar mittlerweile wohl endgültig aus den Reihen der Formation raus (und selbst mit U.D.O. erfolgreich unterwegs - also irgendwie sind doch alle glücklich), doch wenige Bands haben die letzten Jahre ein solch furioses Comeback hingelegt wie ACCEPT. "Blood Of The Nations" war ein fantastisches Comeback-Album und mit Mark Tornillo hat man einen Fronter gefunden, der die großen Schuhe des kleinen Sangeswunders kongenial ausfüllt. Bereits 2011 legte die Band einen sehr gelungenen Auftritt auf dem "Bang Your Head" hin, der sicher noch vielen gut in Erinnerung ist. Auch ich habe mich zwangsläufig nach dem gelungenen ersten Auftritt klar auf den zweiten Headliner-Gig hier gefreut, doch was ACCEPT diesmal hier abbrennen... WOW! Dieser Auftritt vereint wirklich besser als die meisten Konzerte, die ich seit vielen Jahren gesehen habe, so ziemlich samt und sonders alles, was man an klassischem Heavy Metal liebt und schätzt. Die Band ist nahezu unheimlich tight, superb aufeinander eingespielt und strotzt vor Spielfreude. Wolf Hoffmann kommt nicht ohne Grund kaum aus dem Grinsen heraus, denn das hier ist wirklich verdammt denkwürdig. Mittlerweile ist der Nachfolger zum 2010er Erfolgsalbum in Gestalt von "Stalingrad" auf dem Markt, welches qualitativ kaum zurücksteht. Entsprechend gibt es natürlich neben den Klassikern aus den alten Zeiten auch Material vom aktuellen Album zu hören. Das eigene Selbstbewusstsein zeigt sich übrigens auch sehr schön daran, dass man die geniale Single 'Teutonic Terror' von "Blood Of The Nations" sogar erst im Zugaben-Block spielt - und zwar absolut zurecht! Bei ACCEPT greift heute wirklich jedes Rad ins andere und so gibt es ein absolut furioses Konzert, welches von der ersten bis zur letzten Sekunde jegliche Erwartung gleichzeitig erfüllt und deutlich übertrifft. So muss Metal sein, ganz genau SO und nicht anders! Für mich bleiben ACCEPT vor dem abschließendem Feuerwerk mit das absolute Highlight des Festivals. Und kann man über eine Band mit so viel Erfahrung auf dem Buckel noch etwas Besseres schreiben?



Set List ACCEPT

01. Hung, Drawn and Quartered
02. Hellfire
03. Restless And Wild
04. Losers And Winners
05. Stalingrad
06. Breaker
07. Shadow Soldiers
08. Bucket Full Of Hate
09. Bulletproof
(incl. Wolf + Peter Duel)
10. Pandemic
11. Princess Of The Dawn
12. Up To The Limit
13. Fast As A Shark
Encore:
14. Metal Heart
15. Teutonic Terror
16. Balls To The Wall
17. Outro (Bound To Fail)



Unterm Strich haben die Macher 2013 nahezu alles richtig gemacht und sich für die etwas durchwachsene 2012er Auflage glänzend rehabilitiert. Dieses Jahr hatte das "Bang Your Head" wieder mal alles, was man kennt, schätzt und liebt, wenn man nach Balingen kommt. Das große Feuerwerk setzt den letzten Akzent unter ein tolles Festival und somit bin ich sicher, dass verdammt viele Besucher auch 2014 wieder den Weg auf die schwäbische Alb finden werden - immer noch das beste deutsche Metal-Festival!

Fotos: Copyright by Daniel Köbeli

Line-Up "Bang Your Head" 2013

Main Stage:

ACCEPT
SAXON
ICED EARTH
LORDI
AT THE GATES
THUNDER
STRATOVARIUS
RAGE
PRETTY MAIDS
SANCTUARY
ENTOMBED
MASTERPLAN
MORGANA LEFAY
ANGEL WITCH
H.E.A.T.
HELL
DREAM EVIL
ALPHA TIGER
CRAZY LIXX
ARTILLERY
REBELLIOUS SPIRIT
WANTED INC.

Indoor:

EXUMER
FLESHCRAWL
ONSLAUGHT
LAKE OF TEARS
RAVEN
DIE APOKALYPTISCHEN REITER
CREMATORY

Warmup:

SNAKE RIDE RODEO
MAIDEN UNITED
TOKYO BLADE
VICIOUS RUMORS
CANDLEMASS
Billing
ACCEPT - SAXON - LORDI - ICED EARTH - W.A.S.P. - AT THE GATES - THUNDER - PRETTY MAIDS - CREMATORY - SANCTUARY - ENTOMBED - RAGE - EXUMER - MORGANA LEFAY - DIE APOKALYPTISCHEN REITER - ANGEL WITCH - LAKE OF TEARS - FLESHCRAWL - HELL - CRAZY LIXX - H.E.A.T. - DREAM EVIL - ONSLAUGHT - ALPHA

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