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Interview mit Frost von Satyricon
Ein Interview von T.Roxx vom 02.10.2017 (487 mal gelesen)
Am 25.09.2017 hatte ich die Gelegenheit, vor dem Konzert in Essen den Drummer von SATYRICON einige Fragen zum neuen Album "Deep Calleth Upon Deep" und zu anderen Themen aus dem SATYRICON-Kosmos zu stellen, während er sich beim Yoga(!) aufwärmte.

Hi, Frost! Schön, Dich zu treffen! Herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Album. Bist Du mit den bisherigen Reaktionen auf das Album zufrieden?

Frost: Ja, die Reaktionen, die ich bisher von Freunden und Kollegen erhalten habe, waren alle sehr, sehr gut. Meiner Wahrnehmung nach waren die Reaktionen bis jetzt sogar noch besser als bei allen vorherigen Releases. Es sieht so aus, als würden eine Menge Leute unseren Enthusiasmus für das neue Album teilen - genauso wie sie auch unser Verständnis teilen, dass es sich um ein sehr gefühlvolles und ausdrucksstarkes Album handelt. Ich muss sagen, ich bin sehr froh über die Reaktionen und sehr zufrieden.

Ich mag das Album auch sehr - ich habe die Vinyl-Edition und die CD am Erscheinungstag von Napalm Records erhalten und das Album seitdem mehrfacht gehört. Meines Erachtens klingt das Vinyl besser, als die CD-Variante. Welche Tonträger bevorzugst Du?

Frost: Oh ja, Vinyl ist großartig! Du brauchst das Vinyl für die besondere Musik-Erfahrung! Die Haptik des großen Covers, die Texte, das alles kommt in der Vinyl-Version wesentlich besser zur Geltung - es ist alles sehr viel physischer. Und das Vinyl klingt in der Tat anders als die CD oder die Mp3. CDs und Mp3s sind hervorragend, wenn Du unterwegs bist, aber wenn Du zuhause bist, geht nichts über Deine eigene Stereoanlage und Vinyl. Ich besitze alle meine Lieblingsalben auch auf Vinyl!

Wie ist das Album entstanden? Hat Satyr alle Songs komplett komponiert und arrangiert, bevor Du Deine Drumparts eingespielt hast oder habt ihr gemeinsam über Jam-Sessions komponiert, wo Satyr und/oder Anders die Gitarren gespielt haben?

Frost: Ja, das war exakt, wie wir "Deep Calleth Upon Deep" erschaffen haben. Wir haben gemeinsam komponiert. Wir hatten jeden Tag einer Arbeitswoche Jam-Sessions und haben uns dafür raus aufs Land begeben, in eine ruhige und entspannende Umgebung, wo wir nicht gestört wurden und keinerlei Ablenkung ausgesetzt waren. Keine Handys, keine E-Mails - nichts, was uns hätte ablenken können. Wir konnten dort vollkommen ungestört Tag und Nacht arbeiten. Wir haben viel gejammt. All das hat Raum für Inspirationen gegeben und ich denke, dass das enorm geholfen hat, dieses Album zustande zu bringen. Manchmal musst Du Deiner Kreativität ein bisschen nachhelfen, sie kommt nicht immer von allein. Aber wenn Du einmal dabei bist und dann kommt dieser magische Moment, wenn Du diesen Gitarrenpart hast, an dem die ganze Band gerade arbeitet und Dich zu einem bestimmten Drumpart inspiriert oder umgekehrt, dann musst Du diesen Moment nutzen. Dann kannst Du nicht einfach aufhören und zu einem späteren Zeitpunkt weitermachen.

Es scheint, als wäre "Deep Calleth Upon Deep" ein sehr persönliches Album. Ich habe gelesen, dass es nicht sicher ist, ob das neue Album das letztes Album von SATYRICON ist, oder der Beginn einer neuen Ära. Warum ist es möglich, dass "Deep Calleth Upon Deep" das letzte Album von SATYRICON ist?

Frost: Ja. "Deep Calleth Upon Deep" ist eine Art Neubeginn für uns, der uns vielleicht in vielerlei Hinsicht noch mehr öffnet und kreativer macht. Wir müssen berücksichtigen, dass wir seit mittlerweile mehr als 25 Jahren zusammenarbeiten. Wir haben SATYRICON bisher immer als ein A-Projekt angesehen. Die Band war bisher nie ein normaler Job und wird auch nie ein Hobby werden. SATYRICON ist ein Lebenswerk. Wir werden so lange weitermachen, wie wir es als sinnvoll erachten und so lange wir in der Lage sind, uns als Band weiterzuentwickeln. Und gerade das wird immer schwieriger, je länger wir existieren. Natürlich denke ich auch an Satyrs Gesundheitszustand und an das, was das Leben uns allen abverlangt. Wir haben erkannt, dass wir das Ende als eine Möglichkeit akzeptieren müssen. Es ist nicht gegeben, dass wir einfach für immer weitermachen können. SATYRICON wird auch nicht weiterexistieren, wenn wir fühlen, dass wir uns nicht mehr weiterentwickeln. Wenn wir uns stattdessen nur wiederholen, oder auf Tour immer nur unsere alten Hits spielen wie andere Bands, dann ist SATYRICON tot. Denn das war nie ein Teil von uns oder wie wir arbeiten. Deshalb haben wir beschlossen, dass SATYRICON aufhören wird, zu existieren, wenn wir das Gefühl haben, dass wir alles getan haben, was wir mit dieser Band tun konnten. Mit diesen Möglichkeiten mussten wir uns genauso auseinandersetzen, wie mit der Tatsache, dass vielleicht morgen schon einer von uns gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist, weiterzumachen. Oder vielleicht ist einer von uns plötzlich nicht mehr in der Lage, die Band weiterzubringen, weil er seine Inspiration verliert oder aus anderen Gründen.

Für Leute wie mich, die SATYRICON schon seit den Anfangstagen verfolgen und alle bisherigen Platten kennen klingt das neue Album ein bisschen wie die Essenz von SATYRICON, da es viele kleine Zitate von euren vergangenen Alben in einem aktuellen musikalischen Kontext enthält. Daher klingt das Album ein bisschen nach einer Reise durch die Karriere von SATYRICON. Kannst Du das bestätigen und war das die Absicht?

Frost: Ja, ich verstehe total Deine Wahrnehmung des Albums. Viele Leute sagen, dass das Album ein bisschen von allem enthält, was wir mit SATYRICON während der gesamten Bandhistorie gemacht haben - gleichzeitig ist da allerdings auch etwas Neues. Manchmal, wenn ich das Album selbst höre oder live performe, erinnert es mich an Vibes von vielen SATYRICON-Alben und auch wenn es ein bisschen anders klingt, ist da definitiv eine Verbindung - wenn auch vielleicht mehr spirituell als musikalisch. Insofern würde ich sagen, dass es korrekt ist, dass es da eine Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart gibt. Allerdings haben wir auf dem neuen Album auch unserer Kreativität noch mehr Raum gegeben, was dem Ganzen eine neue Form gegeben hat. Das ist, wie ich über das Album denke.

Lass uns kurz in der Zeit zurückgehen: Letztes Jahr habt ihr das 1996er Album "Nemesis Divina" noch einmal neu aufgelegt. Was waren eure Beweggründe für das Re-Release?

Frost: 20 Jahre sind seit dem ersten Release des Albums vergangen - das ist schon etwas Besonderes. "Nemesis Divina" war ein wichtiges Album für uns. Es brachte uns ein größeres Publikum, wir sind ab diesem Release enorm und stetig gewachsen. Es war das erste Album, mit dem wir wirklich getourt sind. Außerdem hat das Album bis heute einen speziellen Platz im Herzen von vielen unserer Fans - manche halten das Album sogar für so etwas wie eine Nationalhymne für das Black Metal-Genre; 'Mother North' ist von diesem Album - für diesen Song haben wir auch unseren ersten Videoclip gedreht. Du siehst, dieses Album hat uns eine Menge Türen aufgestoßen und ermöglichte SATYRICON, zu dieser erobernden Band zu werden, die wir heute noch sind. Ohne dieses Album wären wir heute vielleicht nicht da, wo wir jetzt sind. Das waren alles Gründe, zu feiern und dieses Album noch einmal in den Fokus zu rücken. Wir wollten damit zeigen, dass wir immer noch diesem Album Tribut zollen und so haben wir dieses Jubiläum nicht nur mit einer Neuveröffentlichung, sondern auch mit einigen Shows gefeiert.

Viele Fans - inklusive mir - warten auf ein ReRelease eurer ersten Alben "Dark Medieval Times" und "The Shadowthrone". Gibt es da irgendwelche Pläne, diese Alben noch einmal zu veröffentlichen?

Frost: Das könnte sein, dass wir diese Alben einmal neu veröffentlichen werden. Alles was ich dazu sagen kann ist: wenn wir einen würdigen Rahmen finden, in dem wir diese Projekte realisieren können, ist das durchaus möglich. Wir haben allerdings Grundsätze, wie wir an gewisse Dinge herangehen. Zu diesen Grundsätzen gehört auch, dass das Schreiben von neuem Material im Augenblick eine höhere Priorität genießt. Natürlich wissen wir andererseits, dass es da draußen eine Menge Leute gibt, die auf eine Wiederveröffentlichung der alten Alben warten. Mal sehen, was wir machen können.

Ich glaube, SATYRICON ist die vielleicht erfolgreichste Black Metal-Band. Einige Leute sagen, SATYRICON ist keine Black Metal-Band mehr - aufgrund des Erfolges und aufgrund der musikalischen Entwicklungen der letzten Jahre. Was würdest Du diesen Kritikern gern antworten?

Frost: Ah...ja, mich nervt diese altmodische Sichtweise ein wenig. Ich meine, das ist ein negativer Aspekt dieses Genres; es ist zum Teil sehr konservativ und rigoros. Es gibt in der Szene so viele Konventionen in den Köpfen vieler Leute. Ich denke einfach, es hat etwas Unreifes, wenn man diese Einstellung vertritt. Man muss sich vor Augen halten, dass das Black Metal-Genre von Leuten aus der Taufe gehoben wurde, die echt Pioniere waren. Sie sind einfach dahin gegangen, wo noch niemand vor ihnen war. Und genau so sollte dieses Genre unserer Meinung nach immer noch sein! Es sollte kreativ und innovativ sein, sich konstant weiterentwickeln und so etwas Neues hervorbringen. Es ist kein Potential in dem, was bereits getan wurde. Da ist einfach nichts! Da ist keine Gefahr drin, es ist einfach nicht richtig, weil wenn es getan wurde, dann tut es nichts mehr und bewegt nichts und niemand - es ist einfach bedeutungslos. Wir sind der Meinung, dass man sich auch innerhalb des Genres beständig weiterentwickeln muss und das ist es, worum es uns mit SATYRICON geht; ich denke, dass wir zu diesem Entwicklungsprozess beitragen. Ich denke, dass sagt eine Menge über den Standpunkt aus, den wir vertreten. Es war nie unser Ziel, dass jeder gut findet, was wir tun. Es muss den Leuten erlaubt sein, dass sie einen unterschiedlichen Geschmack und unterschiedliche Meinungen haben. Aber da sollte man sich auch eine gewisse Objektivität bewahren. Wenn Du über Musik diskutierst, solltest Du gewisse Standards verstehen - Du musst nicht unbedingt mit ihnen konform gehen, aber Du musst sie verstehen. Wenn Du Black Metal magst und die Wurzeln schätzt, kommst Du z.B. nicht umhin, die alten BATHORY-Werke zu verstehen. Wenn Du über Black Metal diskutieren willst und diese elementaren Werke nicht verstehst, macht eine Diskussion keinen Sinn. Ich kenne einige Leute, die Black Metal mögen, allerdings nicht die alten BATHORY-Sachen - was okay ist; die Geschmäcker sind halt verschieden. Aber unabhängig von verschiedenen Geschmäckern und Meinungen sollte man über etwas erst dann diskutieren, wenn man es versteht. Vor dem Hintergrund bin ich manchmal etwas verwundert, was manche Leute denken, was Black Metal bedeutet ... Corpsepaint und Blastbeats, richtig? Oder doch eher die Musik, die Atmosphäre? Ist es die Essenz von alledem, ist es die Attitüde, der Spirit? Ich denke, dass viele Leute den Punkt missverstehen, dass der Fokus auf verschiedenen Aspekten liegt - aber das ist okay für mich. In erster Linie muss uns selbst gefallen, was wir tun. Wir fragen uns immer: Ist das, was wir tun, das, was wir selbst von uns erwarten? Erst wenn wir diese Frage positiv beantworten können, sind wir zufrieden.

Als ihr mit SATYRICON angefangen habt, war die Black Metal-Szene eine Art Rebellion - nicht nur musikalisch. Was denkst Du über die heutige Black Metal-Szene? Brennt die Flamme noch?

Frost: Ich denke, die Idee und die Prinzipien, die damals dahinter standen, sind durch das, was in dem Genre passiert ist, ziemlich unberührt geblieben. Abgesehen davon habe ich dazu keine eindeutige Meinung. Ich möchte lieber die Musik spielen, als über sie zu spekulieren. Ich glaube, ich habe schon genug dazu gesagt; es ist einfach langweilig darüber zu spekulieren oder zu diskutieren.

Letzte Frage: Dein Körper ist in erstklassiger Form. Wie hältst Du Dich in Form? Machst Du spezielle Workouts - neben dem allabendlichen Drumming? Achtest Du beispielsweise darauf, was Du isst?

Frost: Haha, Du hast doch mitbekommen, was ich während unseres Interviews gemacht habe. Ich mache diese Yoga-Übungen. Da gibt es natürlich auch noch einige andere Dinge, auf die ich achte, oder die ich mache, um mich fit zu halten. Allerdings ist das meiste davon auf Tour wenig praktikabel. Aber Yoga kann man immer und überall machen und es hilft mir, auf der Bühne die Leistung abzurufen, die ich für unsere Show benötige.

Vielen Dank für Deine Zeit und für das ausführliche Interview und nun bin ich gespannt aufs Konzert!

Frost: Ich danke Dir und ich hoffe, Du genießt gleich unsere Show!

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