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Interview mit DW von Projekt Mensch
Ein Interview von Zephir vom 06.05.2017 (1574 mal gelesen)
Es gibt Musik, mit der man sich schon ein wenig intensiver beschäftigen sollte, um sie auf vielleicht ganz eigene Weise zu verstehen. Mitunter kann ein Gespräch mit dem Künstler ganz neue Blickwinkel eröffnen. So ging es jedenfalls mir im Interview mit DW, dem Mastermind der Bands OHL, DER FLUCH und PROJEKT MENSCH. Im Interview spricht der Musiker über das jüngste Album "Herzblut", über Besonderheiten und Trivialitäten der Musikszene sowie über das Schwarze in der Musik und in der Seele. Grund genug für mich, mir seine Werke nun noch einmal genauestens zu Gemüte zu führen ...

Hallo DW! Erst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, ein paar Fragen zu beantworten. Das Release von "Herzblut" liegt ja nun schon wieder ein paar Tage zurück - hattest du zwischenzeitlich eine Erholungspause?

DW: Zum Glück nicht, denn Stillstand bedeutet Tod. Ich war über Ostern in unserem Studio in Brauschweig, um die aktuelle OHL final abzumischen und bin jetzt noch mit dem Artwork beschäftigt, dann kümmer ich mich um das neue DER FLUCH-Album, das Ende 2018 erscheinen soll ... wie gesagt, Stillstand bedeutet Tod.

Mit deinen Bands hast du ganz schön zu tun. 2013 und 2015 hast Du mit OHL jeweils ein Album herausgebracht, 2014 und 2015 mit DER FLUCH, 2016 mit PROJEKT MENSCH. Bist du ein Workaholic?

DW: Ich könnte jetzt eine psychologische Abhandlung über Introversion und Extraversion hier loslassen und davon wäre bestimmt auch einiges zutreffend, aber um ehrlich zu sein, mache ich ja jetzt schon seit ich 15 bin "Musik" und kann mir gar nicht vorstellen, ohne zu sein. Ich habe mal gesagt, OHL ist mein Leben, DER FLUCH meine Passion und PROJEKT MENSCH meine Seele. Was bleibt mir da anders übrig als immer weiter zu machen ... bis der Tod uns scheidet.

Obwohl wenn die Gründung von PROJEKT MENSCH schon ein Jahrzehnt zurückliegt, sind an dieser Front bisher erst zwei Alben entstanden. Hast du für die neue Band einfach weniger Zeit, oder woran liegt das?

DW: Die Zeit ist der eine Aspekt, aber gerade dadurch, dass PM und besonders "Herzblut" überwiegend persönliche Stücke beziehungsweise Texte beinhaltet, braucht ein PM-Album (leider) einen starken "Leidensdruck" um zu entstehen. Viel näher möchte ich darauf jetzt nicht eingehen.

OHL und DER FLUCH haben viele Fans so ein bisschen in einer Schublade. PROJEKT MENSCH fällt aber aus dieser Schublade total heraus, finde ich. Was hat dich eigentlich bewogen, diese Richtung einzuschlagen?

DW: Ich finde ehrlich gesagt, dass alle drei Bands sehr unterschiedlich sind. OHL ist sehr politisch und musikalisch sehr hart. DER FLUCH ist minimalistisch und textlich erzähle ich dort B-Movie-angelegte, böse Geschichten und Märchen - und bei PM ist alles sehr dunkel und sehr persönlich, verbunden mit der einzig dazu passenden Musik. Aber es stimmt schon, dass sich PM schon alleine durch die aufwendigere Art der Produktion und Instrumentierung von OHL und DER FLUCH abhebt ... wobei manche DER FLUCH-Inhalte sich auch bei PM wiederfinden könnten. Was mich dazu bewogen hat, diese Richtung einzuschlagen? In erster Linie meine Ängste, Sehnsüchte und Erfahrungen. Und dazu musste ich einfach eine neue Band mit einem neuen Gewand ins Leben rufen.

PROJEKT MENSCH sind bereits auf dem WGT aufgetreten. Würdest du dir die Bezeichnung "Gothic" für diesen Stil gefallen lassen?

DW: Nicht wirklich. Ich lass mir die ja noch nicht mal für DER FLUCH gefallen, wobei man DER FLUCH schon mal als "Godfathers of German Gothic" bezeichnet hat und das ja eigentlich ein Kompliment ist. Aber ich mag so Kategorien eher nicht so gerne und bezeichne DER FLUCH eher als B-Movie-Band.

Wie findest du die Vergleiche von PROJEKT MENSCH mit NDH-Bands wie RAMMSTEIN? Bestehen Ähnlichkeiten?

DW: Mit RAMMSTEIN verbindet uns nicht viel, höchstens die Instrumentierung. Ich finde, wir "klingen und singen" komplett anders. Der Großteil der NDH-Bands langweilt mich, zumindest die, die ich kenne. Textlich, gesanglich und manchmal sogar optisch ... alles kleine RAMMSTEINchens.

Im Zusammenhang mit PROJEKT MENSCH taucht immer mal wieder die Bezeichnung "Neue Dunkle Härte" auf. Ist das etwas anderes als die "Neue Deutsche Härte"?

DW: Das spielt wohl hauptsächlich auf unsere Texte an und ist tatsächlich mal eine sehr zutreffende Kategorisierung, die mir ausnahmsweise auch mal gefällt.

Also wehrst du dich nicht grundsätzlich gegen solche kategorisierenden Genre-Bezeichnungen, und ist das okay für dich und deine Musik?

DW: Im Prinzip ist es mir egal, als was man mich oder meine Musik bezeichnet. Um kommerziell erfolgreich und vermarktbar zu sein, musst du natürlich klar kategorisierbar sein, da ich aber nicht aus finanziellen Gründen Musik mache - meine Produzenten mögen mir verzeihen - sehe ich das gelassen. Aber "Neue Dunkle Härte" ... das trifft es schon recht gut.

Erzähl mal ein bisschen was zum letzten Album "Herzblut" ...

DW: Was soll man dazu sagen, man muss es hören ... einige bezeichnen es als "Frischzellenkur der NDH" - und das, obwohl ich schon Ü50 bin. Ansonsten ist es wirklich mein Herzblut, was dort fließt, und auch das Werk, das mir persönlich am meisten bedeutet.

Das Album wirkt viel weniger widerständig als manch älteres Werk von Dir, und obwohl es an vielen Stellen kritisch und sarkastisch ist, scheint es doch gewisse Trends der schwarzen Szene mitzumachen. Sehe ich das richtig?

DW: Mir sind Trends wirklich unendlich gleichgültig - ganz im Gegenteil, ich jage eher die Wölfe, als mit ihnen zu heulen. Sonst würde ich mit OHL komplett andere, szenemainstreammäßige Texte machen, mit DER FLUCH auf Englisch singen und diverse MISFITS-Chöre einbauen und bei PM die Kopie einer Kopie einer Kopie kopieren so wie OST+FRONT und die ganzen RAMMSTEIN-Abziehbilder. Ich glaube, zur Jahrtausendwende habe ich mit DER FLUCH das Album "Sünde" rausgebracht, was schon weit weg war vom ursprünglichen B-Movie-Sound der ersten DER FLUCH-Werke und schon starke Tendenzen zu PM erkennen ließ. Da war mir klar, dass ich eine dritte Band ins Leben rufen musste, denn ich wollte mit DER FLUCH zurück zu den Wurzeln und mit PROJEKT MENSCH auf zu neuen Ufern. So wurde PM aus "Sünde" geboren. Also liegst du nicht ganz falsch, dass PM viele Sehnsüchte der schwarzen Szene befriedigt.

Ihr spielt viel mit christlichen Klischees, die in ziemlich kritischer Manier verkehrt werden - 'Mach Mich Fromm' ist so ein Titel. Was steckt dahinter?

DW: Mich fasziniert dieser religiöse Wahn und die seelischen Abgründe, die damit einhergehen. Selbstaufgabe und Selbstzerstörung. Das hat so etwas Archaisches. Wobei ich im realen Leben ein absoluter Gegner jeglicher Form von Religion bin - dazu kannst du auf der neuen OHL diverse sehr deutliche Aussagen finden.

Und worum geht es eigentlich in so einem schwarzromantischen Track wie 'Spieglein, Spieglein‘' Das ist eine Art Anti-Märchen ...

DW: Nora-Leonie, damit hast du mitten ins Schwarze beziehungsweise Herz getroffen - es ist der Frau gewidmet, der das komplette Album gewidmet ist. Und der zerspringende Spiegel am Ende muss wohl nicht näher erklärt werden?!

Ganz ehrlich: Wie viel Herzblut steckt hier drin?

DW: Ne ganze Menge ... auf jeden Fall so viel, dass ich erst mal kein neues PM-Album plane. Wobei ich das auch schon nach "Seelenfeuer" gesagt habe. Also befürchte ich fast, es wird nicht das letzte PM-Album sein. Ich befürchte die Trilogie.

Mal davon abgesehen, dass OHL und DER FLUCH schon sehr viel länger existieren als PROJEKT MENSCH: Hast du ein Lieblingskind unter diesen drei Bands?

DW: Schwer - ich liebe alle meine Kinder, so unterschiedlich sie sein mögen. Ich liebe OHL wegen seiner gradlinigen, unabhängigen und unbändigen Art. DER FLUCH wegen seiner coolen 50iger-B-Movie-Attitüde und PM, weil es so hart und stark und gleichzeitig so schwach und verletzlich ist.

Welche deiner Bands können wir als nächstes live hören?

DW: Mit DER FLUCH werde ich am Pfingstmontag auf dem WGT Leipzig heimsuchen.

Und welche Band wird das nächste Album auf den Markt bringen?

DW: Am 16.9 erscheint das neue OHL-Album "Der Feind meines Feindes".

Vielen Dank noch einmal, dass du dir die Zeit genommen hast! Bitte gib unseren Lesern noch ein Schlusswort mit auf den Weg:

DW: Ich danke, Nora-Leonie. "Die Liebe ist eine Schlacht die keine Gefangenen macht" - DW

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