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Interview mit Röbin von Crusher

Ein Interview von Kruemel vom 16.01.2019 (884 mal gelesen)
Im Herbst vergangenen Jahres durfte ich CRUSHER im Vorprogramm und als Opener für TANKARD erleben. Die Band ging mit ihrer Melange aus Heavy Metal und 80er Thrash gut nach vorne und hat das anwesende Publikum direkt abgeholt. Auch mich haben die Musik und der Auftritt - obwohl mir die Mainzer bis dato unbekannt waren - für sich eingenommen. Daher habe ich im Folgenden mal die Gelegenheit am Schopf gepackt, um Fronter Robin ein bisschen über CRUSHER auszufragen.


CRUSHER ist zwar kein ganz unbeschriebenes Blatt mehr, aber den großen Durchbruch gab es (leider) noch nicht. Damit man euch besser kennenlernt: Stell' doch bitte die Band mal kurz unseren Lesern vor. Wie habt ihr euch gefunden und welche Meilensteine gab's bisher in der Historie?

Röbin: Hey, nun die Band wurde 2002 gegründet. Damals suchte eine andere Band einen Sänger, ich wollte mich mal als solcher versuchen, doch noch bevor ich das Mikro zum ersten Mal halten durfte, löste diese sich auf und zwei der damaligen Mitglieder wollten eine neue Band gründen und fragten mich, ob ich dabei sein wolle. Seitdem existieren also CRUSHER und in den ersten Jahren nahmen wir einige Demos aus, hatten aber auch ständig mit Besetzungswechseln zu kämpfen. Berufliche und familiäre Situationen bremsten uns auch öfter aus, sodass wir bisher immer nur vereinzelte Gigs und ein komplettes Album aufnehmen konnten. Dennoch, was ich als extremen Erfolg für mich bzw. für die Band verbuchen will, ist, dass sowohl das Album als auch jeder einzelne Live-Auftritt immer mega gut bei den Leuten ankam. Ich meine, wir haben erst neulich vor einer sehr, sehr bekannten Tribute-Band gespielt, die deutschlandweit aktiv und sehr angesehen ist. Und später mailt mir ein bis dahin Unbekannter, dass wir die beste Band des Abends gewesen seien. Egal, ob da jetzt der große Erfolg ausblieb, sowas sind doch Komplimente, die einem sagen, es ist gut was man da so abliefert. imgright

Habt ihr bzw. hast Du schon in anderen Bands Erfahrungen gesammelt bzw. ist jemand auch noch aktuell in anderen Bands involviert?

Röbin: Wie erwähnt, unser Gitarrist, Michael, war früher in einer anderen Band aktiv. Ich glaube unser Drummer hat vor ca. 53 Jahren auch mal woanders gezockt und unser Bassist Alex hat noch 'ne Prog-Band am Start. Und ich selbst bin vor ca. drei Jahren in eine Metal-Coverband eingestiegen. Einfach weil ich da Zeit hatte und mich auch mal an anderen Gesangsstilen probieren wollte, um eben meinen eigenen zu erweitern.

Womit finanziert ihr CRUSHER und eure Musik? Welchen Berufen gehen denn die einzelnen Bandmitglieder nach?

Röbin: Finanziert wird das Ganze schon zum Großteil durch uns selbst, denn von den Einnahmen von den CDs oder Shirts werden eben neue Merchartikel gekauft oder eben ein Teil für neue Aufnahmen verbraten. Aber das Geld, welches du für eine gute Produktion brauchst, die Kosten für den Proberaum und meist eben auch die An- und Abreise, kommt so nie ganz rein. Beruflich sind wir unterschiedlich aufgestellt: IT, Sozialarbeiter, Elektrotechnik ...

Ist es schwierig, das "Brötchen-Verdienen" mit dem Wunsch nach Touren zu vereinbaren?

Röbin: Auf jeden Fall. Man müsste schon bereit sein, den eigenen Urlaub nur dafür zu nehmen. Vielleicht wären das ein paar Mitglieder, wenn das richtige Angebot käme, aber vielleicht gäbe es auch ein oder zwei, die dazu nicht bereit wären. Bisher stellte sich die Frage nicht, da wir nach sowas aber auch nicht suchen. Wenn ich dann Stories höre wie vom ehemaligen EXODUS-Sänger Rob, der meint, er hätte auf Europatour so viel verdient, dass er die Verluste zu Hause ausgleichen konnte, in denen er nicht arbeitete, dann frag ich mich doch, ob ich dafür meinen Urlaub hergeben würde. Wohlgemerkt, EXODUS! Dann bleib ich irgendwie lieber bei Einzelgigs. Ich meine, selbst eine Band wie TANKARD, bei denen du uns ja entdeckt hast, fahren nur Wochenendgigs, da sich das Touren nicht lohnt.

Ist es hart, sich seinen Status erarbeiten zu müssen, gerade wenn man die Menge der Bands in der Szene sieht?

Röbin: Na, auf jeden Fall. Es gibt unzählige Bands da draußen und ein guter Teil davon ist echt hörens- und/oder sehenswert. Natürlich bleiben dann die Bands eher im Gedächtnis, die man auch öfter mal sieht. Und wenn du nicht ständig irgendwo persönlich auftauchst, hast du heutzutage auch keine Chance mehr, als Band gebucht zu werden. Denn wen würdest du als Veranstalter buchen? Unter 100 CDs, von denen die Hälfte bestimmt gleich gut ist, und eine Band kennst du davon persönlich? Manchmal muss die Band noch nicht mal so gut sein wie die No-Name-Band, wer will es denn verübeln, wenn der Veranstalter die Sympathie über das Können stellt? Von daher, ja es ist sehr schwierig. Vor allem, wenn man wie wir, sich nicht aktiv jedem aufdrängen will (sprich mit Werbung und Geschwafel so um sich haut) [i];-)[/i]

Wäre es euer Wunsch, von der Musik allein leben zu können?

Röbin: Och, würde das von heute auf morgen klappen und gäbe es die Sicherheit, den Status nicht zu verlieren, wären bestimmt alle dabei. Aber da sowas nicht funktioniert, erst Stück für Stück und irgendwann die Entscheidung anstehen würde, mit hohem Risiko seinen Job niederzulegen, um evtl. den Durchbruch zu schaffen, der aber auch nicht von Dauer sein müsste, sieht das realistisch betrachtet anders aus. Ich meine, in der Band hat der Großteil Kinder und evtl. ein Haus oder 'ne Wohnung abzubezahlen. Da müssen Träume dann leider hintenanstehen.

Habt ihr/hast Du persönlich irgendwelche musikalischen Vorbilder?

Röbin: Vorbilder, hm? Wir haben sicherlich unsere Faves und Bands, die wir gerne hören, aber dass wir aktiv jemanden nacheifern würden, ich glaube die Zeiten sind, wenn sie denn mal da waren, vorbei. Beeinflusst haben uns bestimmt Hunderte, und das bei jedem sehr unterschiedlich. Bei mir und meinem Gesangsstil wäre es bestimmt auch ungewöhnlich, wenn ich als Vorbild David DeFeis von VIRGIN STEELE nehmen würde. Ich höre die Band sehr gerne, denke, er ist ein großartiger Sänger, aber bezogen auf das was wir machen kann man da sicher nicht von einem Vorbild reden [i];-)[/i]

Gibt es bei euch eigentlich einen kreativen Kopf? Hat einer sozusagen die Federführung beim Komponieren? Oder ist bei euch eher Teamwork angesagt?

Röbin: Früher war das sicherlich Michael. Die Grundidee kam eigentlich immer von ihm, wobei der Song und die Struktur dann gemeinsam entstand. Mittlerweile vermischt sich das immer mehr und generell muss man sagen, wir haben CRUSHER immer als Band betrachtet und wollen auch, dass, falls jemandem was Kreatives einfällt, er sich auch in jeden Song einbringen soll. Ich halte persönlich nicht viel von diesem "ich schreibe zu Hause alle Lieder und sage euch, was ihr zu tun habt"-Ding. Ich glaube diese Haltung und das Denken, wir können uns ja alle Files hin- und herschieben und müssen uns deswegen nicht mehr treffen, hat maßgeblich dazu beigetragen, dass es weniger Mega-Alben gibt, als es noch in den 80ern und 90ern der Fall war. Nimm das Beispiel von einer Runde Leute, die gerade mega gut drauf sind und sich Stories oder Witze erzählen. Die Stimmung steigt immer mehr und wird ausgelassener und jeder wird beflügelt, einen draufzusetzen. Jetzt stell' dir die Runde vor, wie jeder zu Hause am Handy sitzt und sich gegenseitig was schreibt. Was meinst du, wie die Stimmung da eskaliert, hahaha.

Neulich durfte ich CRUSHER als Vorband von TANKARD im JUZ Andernach erleben. Ihr habt einen wirklich coolen Auftritt hingelegt und das fand auch das restliche Publikum. Wie lief der Gig aus eurer/Deiner Sicht?

Röbin: Sehr gut würde ich sagen. Wenn man bedenkt, dass wir mit Ausnahme eines Auftritts zuvor ein Jahr nicht gespielt haben und ich gewarnt wurde, dass das Andernacher Publikum bei unbekannten Bands schwer zu knacken sei. Ich fand die Leute tauten bei uns auf, haben mitgeklatscht, vorne gebangt, mitgesungen und hatten Spaß. Es gab viele, die danach zu uns kamen und uns berichtet haben, dass sie den Gig cool fanden, also was will man als unbekannter Opener in einer Winternacht mehr?

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Wie eigentlich immer, durfte auch das Bandmaskottchen Pit (oder Pitty) auf der Bühne nicht fehlen. Was hat es mit dem kleinen Kerl auf sich?

Röbin: Ich kam mal mit der Idee an, ob wir es schaffen, innerhalb von drei Stunden einen kompletten Song zu schreiben. Wenn ja, steht er, wenn nicht, weg mit der Idee. Sonst haben wir uns schon mal wochenlang an einem Song verzettelt, um hier und da auszubessern. Die Idee funktionierte und da dies so ein Haudrauf-Song war, musste der Text auch nicht unbedingt philosophisch werden (wobei ...?). Der Text handelt also von dem kleinen Kerl, der entstanden ist, als es da vor der Bühne einen kleinen Urknall gab, der durch einen megakrassen Moshpit entstanden ist. Und der sorgt ab sofort dafür, dass es da immer gepflegt heftig zugeht. Logisch, oder? Ein Song, den wir bisher noch nicht aufgenommen haben, spinnt die Geschichte übrigens weiter bzw. berichtet von den richtigen Anfängen. Klingt zunächst verwirrt, ist es aber auch.

Seit dem Album "Redemption", welches ihr 2016 veröffentlicht habt, ist ja schon einige Zeit vergangen. Was ist in der Zwischenzeit geschehen bei/um euch? Ihr ward sicher nicht faul ... wann dürfen wir ggf. mit einer neuen Scheibe rechnen?

Röbin: Nun, uns würde es freuen, wenn wir dieses Jahr ein neues Album aufnehmen. Da wir aber ja wirklich keine Zeitraffer-Band sind, will ich hier nicht zu große Töne spucken und ein neues Album für dieses Jahr ankündigen. Aber, wir geben wirklich unser Bestes.

Traditionell gehören die letzten Worte den Musikern. Du kannst all das loswerden, was Du schon immer sagen wolltest ...

Röbin: Tja, was soll man an dieser Stelle Sinnvolles sagen, was nicht schon durch andere Floskeln tausend Mal geschrieben wurde? Respekt an den, der bis hierhin das Interview durchgelesen hat. Und als Dank dafür: Komm' zum nächsten Konzert, nenn' mir das Codewort "Airfield" und du bekommst eine "Airfield Tapes"-CD geschenkt, solange der Vorrat reicht. Mal sehen, wer da so alles auftaucht, hahaha. Dir aber vielen Dank für das Interview und deinen Support. Eure CRUSHERS und Röbin (and the Pit-Määään)

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